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Kritik: Frau Müller muss weg (2013)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

"Frau Müller muss weg" ist großes Schauspieler-Kino und gehört vermutlich schon jetzt zu den gelungensten Komödien, die uns in diesem Kinojahr aus Deutschland erwarten. Der neue Film von Sönke Wortmann ("Das Wunder von Bern") beruht auf einem Bühnenstück von Lutz Hübner, dem erfolgreichen Dramatiker und Regisseur aus Heilbronn. Wortmann selbst führte das Stück als Regisseur bereits am Grips-Theater in Berlin auf und kümmerte sich frühzeitig um ein Einverständnis von Hübner, das Stück auch fürs Kino adaptieren zu dürfen. "Frau Müller muss weg" ist rabenschwarzes, reduziertes Komödien-Kino mit großartig aufgelegten Darstellern und spitzfindigen, scharfzüngigen Dialogen, das an Polanskis Großtat und Dialogfeuerwerk "Der Gott des Gemetzels" erinnert.

Dass Sönke Wortmann das Genre der leichten Komödie beherrscht, bewies er bereits 1994 mit dem Geschlechterkampf "Der bewegte Mann". Dass ihm jedoch auch das pechschwarze, mit messerscharfen und hämischen Dialogen gewürzte Lustspiel so außerordentlich liegt, wusste man vorher nicht. Doch wahrhaftig: mit "Frau Müller muss weg" gelingt dem Filmemacher ein deftiger, gepfefferter Film, der komisch und sarkastisch geworden ist, und zudem durchaus zum Nachdenken anregt. Dabei ist es ein geschickter Schachzug, die Handlung an nur einem Ort - nämlich in der Schule - spielen zu lassen. Durch die Begrenztheit des Raums bzw. des Ortes erhöht Wortmann den Druck auf seine Figuren, die nicht fliehen können und sich den Anfeindungen und Anschuldigen stellen müssen.

Großartig agieren vor allem Justus von Dohnányi und Anke Angelke als spießiges, hinter dem Mond lebendes Ehepaar, dessen Erziehungsmethoden auf viele (vor allem junge, idealistische) Eltern von heute zutreffen: die Kinder unter einen enormen Erfolgsdruck zu setzen, getreu dem Motto: Erfolg ist alles und das Kind soll all das besser machen bzw. ausgleichen, was man selbst früher vergeigt hat. "Frau Müller muss weg" bringt darüber hinaus Themen wie das aktuelle deutsche Schulsystem, Fehler in der Bildungspolitik und Nöte sowie Mängel in der pädagogischen Arbeit der Lehrkräfte auf die Agenda. Dazu würzt Wortmann seinen Film mit minimalistischen, gehässig-höhnischen Dialogen, die es auf den Punkt bringen ("Wir wollen die Müller nicht mehr. Aus die Maus" oder "Dann versaut uns diese unfähige Kuh endgültig die Zukunft unserer Kinder"). Am Ende tut einem Frau Müller fast ein wenig leid, die sich dafür entschuldigen muss, ihren Rückenproblemen mit Hilfe einer Physiotherapie gegenzusteuern und es mit Eltern zu tun hat, die die Pädagogen für das verantwortlich machen, was sie selber nicht hinbekommen: eine vernünftige Erziehung.

Fazit: Giftig-bissige, spitzfindige deutsche Komödie von außerordentlicher Qualität, die bei allem Humor und all den schnippischen Dialogen auch zum Nachdenken über die Missständen im System anregt.





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