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Ferdinand - Geht STIERisch ab!
Ferdinand - Geht STIERisch ab!
© 20th Century Fox

Kritik: Ferdinand - Geht STIERisch ab! (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der neue Animationsfilm von Regisseur Carlos Saldanha ("Rio") erzählt die Geschichte eines tierischen Außenseiters, der ein großes Herz hat. Ferdinand will kein Kampfstier sein wie die anderen Artgenossen im Stall, sondern in Frieden leben. Aber die Menschen lassen ihn nicht, schließlich ist es Ferdinands Bestimmung, eines Tages voller Wut ins rote Tuch der Stierkämpfer in der Arena von Madrid zu laufen. Die Geschichte, die auf dem Kinderbuch "Ferdinand, der Stier" von Munro Leaf und Robert Lawson aus dem Jahr 1936 basiert, bezieht natürlich Stellung gegen den grausamen Stierkampf und besitzt dramatische Tiefe. Aber das ernste Thema wird sehr kindgerecht in ein flottes, spaßiges Abenteuer mit viel Slapstick verpackt.

Die Geschichte verfügt über einen sehr sympathischen, liebenswerten Hauptcharakter. Ferdinand ist als bulliger Stier mit pazifistisch-naiver Sanftmut ein lustiger Widerspruch in sich. Aber er ist nicht dumm, sondern findet im Gegenteil heraus, dass sich all die angepassten Kampfstiere bezüglich ihrer Siegchancen in der Arena irren. Auch die meisten der anderen Figuren sind sehr überzeugend charakterisiert und gezeichnet. Da gibt es die drei eitlen, tumben Pferde, die auf die Stiere herabschauen, drei pfiffige kleine Igel, eine vorlaute Ziege. Auffallend gut sind die menschlichen Figuren gezeichnet, die schon mit ihrer Körperhaltung und ihren Bewegungen spanisch wirken, der stolz-arrogante Stierkämpfer, der geradlinige Stallbesitzer, der einfache Bauer mit Herz.

Der Spruch vom Elefanten im Porzellanladen wird hier bildhaft zu einer herrlich komischen Szene mit dem Stier im Keramikladen abgewandelt. Auch sonst gibt es viel gelungenen Slapstick und sogar rasante Verfolgungsaction. Das Stierkampfritual selbst wird einer lustigen Parodie unterzogen, in der sich die Rollen von Stier und Torero vertauschen. Positiv schlagen auch die lieblichen Landschaften zu Buche, mit den Blumenwiesen und dem malerischen Provinzstädtchen, in dem Ferdinand Panik verursacht, aber ein kleines Baby zum Lachen bringt. Trotz einiger Längen zwischendurch und manch sprachlich überdrehten Dialogen, die vor allem der Ziege in den Mund gelegt werden, überzeugt der Film insgesamt als sorgfältiges und ideenreiches Werk, das seine Macher als Profis im Genre der Animationskomödie ausweist.

Fazit: Regisseur Carlos Saldanha verleiht der auf einem Kinderbuch basierenden Geschichte über einen spanischen Stier, der nicht kämpfen will, einen reizvollen Slapstick-Charme. Das gut gelaunte Animationsabenteuer verfügt über einen belastbaren Spannungsbogen, liebevoll gezeichnete Tier- und Menschenfiguren und spanisches Flair. Mit professionellem Geschick wird der ernste Kern der Geschichte in ein kindgerechtes Filmvergnügen verpackt, in dem man sich vom Titelhelden und den Missverständnissen, die er in den Köpfen vieler Menschen in Gang setzt, gerne zum Lachen bringen lässt.




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