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King Arthur: Legend of the Sword
King Arthur: Legend of the Sword
© Warner Bros.

Kritik: King Arthur: Legend of the Sword (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Nach Antoine Fuqua, der 2004 den eher grimmig-realistischen "King Arthur" vorlegte, versucht sich nun Guy Ritchie ("Codename U.N.C.L.E.") an einem großen Leinwandabenteuer über die berühmte britische Heldengestalt. Angekündigt wird die Auffrischung als "radikal neue Interpretation des klassischen Excalibur-Mythos", womit die Marketingstrategen sicherlich nicht falsch liegen. "King Arthur: Legend of the Sword" erweist sich als rasantes, effektreiches Fantasy-Spektakel, das einen recht freien Umgang mit der ursprünglichen Artus-Sage an den Tag legt und sich deutlich abgrenzt von Fuquas historischem Erdungsversuch.

Pate standen bei Ritchie vor allem Peter Jacksons "Herr der Ringe"-Filme, an die man gleich in den Anfangsminuten denken muss, wenn in einer Schlacht gigantische Elefanten auf Camelot zumarschieren. Das bildgewaltige Kampfgetümmel dürfte den Fans des Regisseurs umgehend ein Lächeln ins Gesicht zaubern, da er bereits an dieser Stelle ausgiebig seiner Vorliebe für schnell geschnittene, hyperstilisierte Actionszenen frönt. Typisch für das Schaffen Ritchies ist auch die fiebrig getaktete Montagesequenz, die dem Zuschauer im Zeitraffer das Aufwachsen des Waisenjungen Arthurs in Londinium illustriert. Das ohnehin hohe Tempo wird nicht zuletzt durch die fortlaufend pulsierende Musikuntermaltung (verantwortlich: Daniel Pemberton) verstärkt.

Imposante Landschaftsaufnahmen sollen das Publikum ebenso in den Bann ziehen wie die immer wieder abgefeuerten Effektsalven, die keinen Zweifel daran lassen, dass "King Arthur: Legend of the Sword" in einem Fantasy-Reich angesiedelt ist. Mythische Orte werden bereist. Überweltliche Kreaturen schauen regelmäßig um die Ecke. Und ständig spielen Zauberkräfte – gute wie böse – eine Rolle. Als opulenter, hochtouriger Mittelalter-Actioner samt Ironie-Einfärbung ist das Ganze passabel unterhaltsam. Wenig Eindruck hinterlassen allerdings Handlung und Figurenzeichnung, die auch in einem massentauglichen Blockbuster etwas Feinschliff verdienen. Arthur (Charlie Hunnam) wird als gewitzter Draufgänger ohne große Ambitionen eingeführt. Als es ihm überraschend gelingt, das magische Schwert Excalibur aus dem Stein zu ziehen, in dem es seit der Ermordung seines Vaters Uther Pendragon (Eric Bana) feststeckt, wird der junge Mann zum ersten Mal mit seiner königlichen Herkunft konfrontiert, was ihn sichtlich überfordert. Anstatt sich gegen seinen Onkel, den Tyrannen-Herrscher Vortigern (Jude Law), zu erheben und ihm den Thron streitig zu machen, will Arthur lieber in sein altes Leben zurückkehren und weist daher alle Verantwortung von sich. Ein spannender Gedanke, den Ritchie und seine Koautoren leider in eine uninspiriert heruntergespulte, gegen Ende unnötig holprige Heldenreise übersetzen. Einem Computerspiel-Charakter gleich durchläuft der Protagonist unterschiedliche Prüfungen, die letztlich dazu führen, dass er sein Schicksal annimmt. Zur Seite stehen ihm diverse Mitstreiter, die eine multiethnische Gemeinschaft bilden, jedoch enttäuschend wenig Profil erhalten. Ähnliches gilt für den Antagonisten Vortigern, den Jude Law souverän verkörpert, mit dessen tragischer Komponente das Drehbuch aber rein gar nichts anzufangen weiß.

Ein wenig Abwechslung bringen die Macher in das simple Handlungskonstrukt, indem sie zwischendurch Gespräche über künftige Ereignisse mit den entsprechenden Vorausblenden kombinieren und das Geschichtenerzählen an sich augenzwinkernd kommentieren. Nette, kleine Kniffe, die "King Arthur: Legend of the Sword" allerdings nicht in ein Bravourstück filmischer Narration verwandeln. All denen, die bloß ein energiegeladenes Spektakel sehen wollen, dürfte das freilich vollkommen egal sein.

Fazit: Erzählung und Charakterzeichnung treten in Guy Ritchies temporeicher Fantasy-Neuinterpretation der Artus-Sage klar hinter rasant geschnittenen Actionsequenzen, großen Landschaftsbildern und einem Effektfeuerwerk zurück.





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