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Kritik: Ida (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der Durchbruch gelang dem aus Warschau stammenden Regisseur Pawel Pawlikowski 2004 mit dem gefeierten Coming-of-Age-Film "My Summer of Love". Für "Ida" kehrte Pawlikowski wieder in seine polnische Heimat zurück und entwickelte ein komplexes, anspruchsvolles Drama, das trotz seines rauen, spröden Inszenierungsstils zu fesseln vermag. Der beklemmende Schwarz-Weiß-Film hat dies in erster Linie seiner kühlen, fast frostigen Bildsprache und den großartigen Darstellern zu verdanken. "Ida" ist hochklassiges Arthouse-Kino, das vor allem für Fans von eigenwilligen, aufwühlenden Dramen geeignet ist.

"Ida" lebt in erster Linie von seinen beiden herausragenden Hauptdarstellerinnen, Agata Trzebuchowska als zarte Anna und Halina Skoczynska als ihre resolute, beharrliche Tante Wanda. Regisseur Pawlikowski lässt zwei faszinierende Charaktere im kommunistischen Polen des Jahres 1962 aufeinanderprallen, die zwar von ihrer Art her nicht unterschiedlicher sein könnten, die aber dennoch aufgrund der gemeinsamen tragischen Familien-Verwicklungen und -Ereignisse eine gemeinsame Vergangenheit teilen. Beide einen die traumatischen Erfahrungen der letzten Kriegsjahre, die die eine (Anna) nicht bewusst und die andere (Wanda) direkt und hautnah miterlebte. Pawlikowski macht deutlich, dass es Dinge gibt, alte Wunden z.B., die die Zeit nicht heilen kann und die sich ins Bewusstsein der Menschen unauslöschbar einbrennen.

Zudem sticht die frostige, zurückhaltende Bildsprache des Films heraus. Kameramann Lukasz Zal braucht keine die Leinwand voll ausfüllenden Breitwandbilder, ihm genügt das reduzierte 1:1,37-Format, um die fesselnde Geschichte in bewegte Bilder umzusetzen. Das Format des Films ist quadratisch und zeigt die Protagonisten oft nur ab der Brust. Somit entsteht viel Raum zwischen den Köpfen der Darsteller und dem oberen Bildrand. Diese klassische visuelle Umsetzung und Ästhetik erinnert nicht zufällig an die Optik vieler "Nouvelle Vague"-Klassiker, etwa eines Jean-Luc Godard oder Claude Chabrol. Authentisch und schonungslos zeigt Regisseur Pawlikowski zudem den asketischen, freudlosen Kloster-Alltag: vom gemeinsamen Gebet über die unzähligen Momente der stillen, besinnlichen Einkehr bis hin zum mittäglichen Suppeschlürfen - und all das in einer fast beängstigenden Ruhe, bei der man jedes Knarzen im Flur, jedes Räuspern der Nonnen vernimmt.

Fazit: Feinfühliges, erstklassig gespieltes Arthouse-Drama, das mit spartanischer Bildsprache eine tragische Geschichte erzählt, die im kommunistischen Polen der frühen 60er angesiedelt ist.





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