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Mann unter Feuer mit Denzel Washington
Mann unter Feuer mit Denzel Washington
© United International Pictures

TV-Tips für Freitag (11.11.): Denzel Washington versteht keinen Spaß

Pro7 zeigt "Mann unter Feuer"

Der Freitagabend bietet ein starkes Spielfilmangebot: Während Pro7 mit populären Hollywood-Filmen wie dem fünften "Harry Potter" im Haupt- und dem furiosen "Mann unter Feuer" im Spätprogramm punktet, kann 3sat mit dem polnischen "Oscar"-Gewinner "Ida" aufwarten.

"Harry Potter und der Orden des Phoenix", Pro7, 20:15 Uhr

Harry's (Daniel Radcliffe) und Dumbledore's (Michael Gambon) Warnungen vor der Rückkehr von Lord Voldemort (Ralph Fiennes) werden verspottet, und stattdessen geraten sie ins Visier der Zauberer-Autoritäten, während eine autoritäre Bürokratin (Imelda Staunton) langsam die Macht in Hogwarts an sich reißt.

Für das fünfte "Harry Potter"-Abenteuer holten sich Warner Brothers den vierten Regisseur und setzten dabei mit David Yates erstmals auf einen Filmemacher aus dem Land, in welchem die Geschichte spielt: England. Die Wahl kam nach den großen Namen Chris Columbus, Alfonso Cuaron und Mike Newell überraschend. Denn Yates hatte bis dahin bis auf einen Kinofilm im Jahr 1998 nur für das Fernsehen gearbeitet. Und ausgerechnet er sollte jetzt den dicksten Roman der Serie, den 766 Seiten starken "Harry Potter and the Order of the Phoenix" von 2003, bändigen und in cineastische Form bringen?

Die Produzenten hatten Yates aber auch ausgewählt, weil er in seinen Fernsehserien wie "State of Play" politische Ränke und Intrigen überzeugend behandelt hatte - und da dies auch ein Element dieser "Harry Potter"-Geschichte darstellt, glaubte man, hier den richtigen Mann engagiert zu haben. Und der damals 43-Jährige zeigte sich zusammen mit dem ebenfalls neu engagierten Drehbuchautoren Michael Goldenberg der Herkulesaufgabe mehr als gewachsen: Sie übersetzten 2007 die Romanhandlung der Konfrontation von Harry und seinen Freunden mit der krötenartigen Bürokratin Dolores Umbridge in ein unterhaltsames und Action-durchsetztes Leinwandabenteuer. Und schafften es erstaunlicherweise, ausgerechnet das längste Buch in den bis dahin kürzesten Film (138 Minuten) zu überführen - auch weil der Regisseur radikal rund 45 gedrehte Minuten aus der Endfassung wieder entfernte.

Die Produktion war aufwendig: Die sieben Monate langen Dreharbeiten mussten für zwei Monate unterbrochen werden, damit Radcliffe und Kollegin Emma Watson ihre Schulabschlüsse machen konnten, 1400 Spezialeffekte mussten eingebracht werden, und das Budget lag bei 150 Millionen Dollar. Doch alle Mühen wurden belohnt: Weltweit wurden 939 Millionen Dollar in die Kassen gespült und der Fantasy-Film bekam exzellente Kritiken. "Je älter die Kinder werden, desto düsterer und fesselnder werden die Filme", lobte beispielsweise Leah Rozen vom "People Magazine".

Das Werk erhielt "Oscar"-Nominierungen für die "Beste Ausstattung" und die "Besten Spezialeffekte".



"Ida", 3sat, 22:35 Uhr
Anna (Agata Trzebuchowska), eine Nonne Anfang der Sechziger in Polen, steht kurz vor dem Ablegen ihres Gelübdes, als sie ein düsteres Familiengeheimnis entdeckt, das in die Jahre der deutschen Besatzung zurückreicht.

Dieses Drama gewann als erster polnischer Film den "Oscar" als "Bester nicht englischsprachiger Film", den Europäischen Filmpreis, den Britischen Filmpreis, den Spanischen Filmpreis, den Polnischen Filmpreis und war nominiert in Dänemark, Frankreich und Italien. Insgesamt über 50 Preise konnte der Streifen von Regisseur und Drehbuchautor Pawel Pawlikowski ("Die geheimnisvolle Fremde") einheimsen, dazu kam noch die ungewöhnliche, weil für eine ausländische Produktion gewählte Nominierung für die beiden Kameramänner Lukasz Zal und Ryszard Lenczewski. Gloriose Kritiken weltweit rundeten diesen Triumph für das polnische Kino ab. Die 2 Millionen Euro teure Produktion aus dem Jahr 2013 wurde mit umgerechnet weltweit 11 Millionen Dollar auch finanziell ein Erfolg.

Ausgerechnet in seinem Heimatland war "Ida" dann aber singulär umstritten. 40 000 Unterschriften wurden gegen das Werk gesammelt, und als es im polnischen Fernsehen ausgestrahlt wurde, stellte der Fernsehsender einen zwölfminütigen "einordnenden Kommentar" voran, indem rundweg erklärt wurde, dass der Film historische Fakten verzerre und eine "jüdische Sichtweise" einnehme, die Polen in ein ungünstiges Licht rücken wolle. Dies provozierte wiederum den Protest der Europäischen Filmakademie sowie zahlreicher polnischer Filmemacher wie Agnieszka Holland, Małgorzata Szumowska und Andrzej Wajda, und Produzent Eric Abraham platzte der Kragen: "Wollen die wirklich, dass alle Filme, die lose auf historischen Geschehnissen basieren, mit einordnenden Untertiteln aufgeführt werden sollen? Das sag mal einer Oliver Stone, Steven Spielberg und Florian Henckell von Donnersmarck!"

Tatsache ist, dass das einzig Schwarzweiße an diesem Streifen die wunderschönen, streng komponierten und im alten 4:3-Format photographierten Bilder sind, die Kritiker an die Werke von Carl Theodor Dreyer und Robert Bresson erinnerten. Pawlikowski ist ein vielschichtiges Portrait über die polnische Nachkriegsgeschichte gelungen, das auf moralische Wertungen verzichtet und die äußeren Konflikte stattdessen nuanciert und empathisch in dem inneren Ringen zweier Frauen widerspiegelt. Nichts von den Schrecken der Vergangenheit wird ausgesprochen, aber alles hallt in der Atmosphäre wider: Das Land wirkt tot und dünn besiedelt.

Mit diesem kraftvollen Werk kehrte der seit seinem 15. Lebensjahr in Großbritannien lebende Filmemacher erstmals in seine Heimat zurück, um dort seinen ersten polnischen Film zu drehen. Seine grandiose Hauptdarstellerin fanden die Produzenten in einem Straßencafé. Sie hatte noch nie geschauspielert und hat seit "Ida" auch keine weitere Rolle übernommen.

Kritiker Blake Howard lobte in "That Movie Show": "Der Film beginnt als eine Suche nach Gewissheit und wird zu einer unglaublich packenden und verheerenden Begutachtung der banalen Natur des Bösen in Kriegszeiten."



"Mann unter Feuer", Pro7, 22:55 Uhr
In Mexico City schwört ein ehemaliger Auftragsmörder und Personenschützer (Denzel Washington) Vergeltung an denjenigen, die eine unausprechliche Grausamkeit an der Familie begangen haben, die er beschützen sollte.

Noch bevor sich der britische Regisseur Tony Scott 2012 mit einem Sprung von einer Brücke das Leben nahm, hatten er und sein Lieblings-Hauptdarsteller Denzel Washington über einen weiteren gemeinsamen Film - es wäre ihre sechste Zusammenarbeit gewesen - gesprochen. Dazu kam es leider nicht - die Depressionen waren am Ende stärker als die Lust am Filmemachen. "Unstoppable" bleibt so die letzte Kooperation der beiden Künstler, die 1995 mit "Crimson Tide" begonnen hatte.

Aus der Mitte dieser Zusammenarbeit stammt dieser mitreißende Thriller aus dem Jahre 2004. Wie immer bei Scott gibt es viel stilisierte Gewalt, schnelle Schnitte und mitreißend inszenierte Action zu sehen. Mit diesem spannenden Streifen erhielt die damals neunjährige Dakota Fanning nach "Ich bin Sam" eine weitere größere Rolle und sorgte für ein bisschen Menscheln in diesem Orkan von Gewalt und Feuer. In weiteren Nebenrollen sind Radha Mittchell, Christopher Walken und Mickey Rourke zu sehen.

Der Film beruht auf dem Roman "Man on Fire" (deutsch "Der Söldner") von A.J. Quinell aus dem Jahr 1980. Während also der Film durch die Einblendungen den Anschein erwirkt, er erzähle eine wahre Geschichte, ist das Ganze reine Fiktion. Bereits 1987 war das Buch in Frankreich verfilmt worden. Im Roman und in der ersten Verfilmung spielt die Handlung in Italien und dementsprechend ist die Mafia involviert. Während 20th Century Fox auch den US-Streifen dort verankern wollten, sprach sich Scott für Mexiko aus, weil dort Entführungsfälle Anfang der nuller Jahre viel mehr an der Tagesordnung waren.

Während die Kritiker "Man on Fire" wegen der ihrer Ansicht nach in der zweiten Hälfte übertriebenen Brutalität in der Mehrheit ablehnten, kam der Film beim Publikum wesentlich besser an. Ein Zuschauer aus den USA lobt: "Die Brillanz des Films lebt von der Beziehung zwischen Denzel Washington's einsamen Wolf und Dakota Fanning's Tierjunges. Ihre Chemie verleiht dem Film sein Herz und seine Seele, bevor das Vergeltungsblut vergossen wird."



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