VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Herbert (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Obwohl es sich bei der Amyotrophen Lateralsklerose (kurz: ALS) um eine relativ seltene Erkrankung handelt, erfuhr die Nervenkrankheit im Zuge der sogenannten Ice Bucket Challenge in den letzten Jahren doch große mediale Aufmerksamkeit. Das Übergießen von mal mehr, mal weniger prominenten Ahnungslosen mit Eiswasser, das aus leichtfüßige Weise an das Leiden von ALS-Patienten erinnern soll, gilt zwar als umstritten, aber zumindest kurzzeitig konnten auf diese Weise sowohl beträchtliche Spendensummen als auch ein Bewusstsein für die unheilbare Krankheit generiert werden. Mit der Tragikomödie "Hin und weg" (2014) widmete sich dann schließlich auch das deutsche Kino dem Thema – allerdings ohne diesem wirklich gerecht zu werden.

Der Regisseur Thomas Stuber, der gemeinsam mit dem Schriftsteller Clemens Meyer auch das Drehbuch zu "Herbert" verfasst hat, erzählt in seinem Drama nun weitaus nüchterner, zugleich jedoch auch glaubwürdiger von den verheerenden Auswirkungen der Amyotrophen Sklerose. Unerbittlich und mit eindringlicher Konsequenz zeigt der Film den Verlauf der Krankheit und mutet dem Publikum dabei einiges zu. Wer leicht verdauliche Unterhaltung sucht, ist mit Filmen wie "Hin und weg" wohl besser bedient.

"Herbert" allein auf das authentische Porträt eines Todgeweihten und seines Leidens zu reduzieren, greift allerdings zu kurz. Denn der bisher eher aus Fernsehen und Theater bekannte Hauptdarsteller Peter Kurth verkörpert den Titelhelden als komplexe Figur, deren Menschlichkeit berührt und den Film unbedingt sehenswert macht. Ein ganzes Leben scheint in Kurths Spiel nachzuhallen und verleiht dem Film somit auch fernab des Sterbethemas eine aufwühlende Dringlichkeit.

Fazit: Mit eindringlicher Konsequenz erzählt Thomas Stuber die Leidensgeschichte eines Todgeweihten. Das ist stellenweise in seiner Unerbittlichkeit zwar nur schwer zu ertragen, wird aber vor allem dank des großartigen Hauptdarstellers Peter Kurth zu einem unbedingt sehenswerten Drama.





Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.