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Ein Sommer in der Provence
Ein Sommer in der Provence
© Concorde

Kritik: Ein Sommer in der Provence (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die französische Regisseurin und Drehbuchautorin Rose Bosch hat eine sonnige Wohlfühlkomödie inszeniert, die auf dem Land spielt. Sie weckt alte Erinnerungen oder Sehnsüchte in Bezug auf unbeschwerte Ferien bei den Großeltern. Die Landschaft der Provence mit ihren Olivenhainen, rustikalen Steinhäusern und den ausgelassenen Dorffesten verbreitet eine zauberhafte, entspannte Stimmung. Ein gutes Darstellerensemble, das von dem charismatischen Jean Reno als Großvater angeführt wird, verleiht den spannungsgeladenen Familienbeziehungen Tiefe und Herz.

Teenager aus der Großstadt und ein mürrischer Opa, der das einfache Landleben schätzt: Die Konflikte sind vorprogrammiert. Was ihnen zusätzliche Würze gibt, ist zum einen die starke Verankerung der Jugendlichen in der Gegenwart. Sie müssen ständig online sein und Léa hat ein ausgeprägtes Umweltbewusstsein, isst nur vegetarisch und fragt nach Fairtrade-Produkten. Da hält sich der Opa lieber an den kleinen, unkomplizierten Théo, dem es einfach Spaß macht, mit ihm den Garten zu gießen. Zum anderen sind auch die Großeltern nicht zeitlos konservativ gezeichnet, sondern verblüffen Enkel und das Publikum mit ihrer wilden Hippie-Vergangenheit. Aber Paul schleppt einen tiefen Kummer mit sich herum, den er in Alkohol zu ertränken versucht. Er braucht die Unterstützung seiner Familie, genau wie die stürmische Léa, die sich in ein prekäres Liebesabenteuer stürzt. Die Handlung tariert Probleme und Spaß, Abenteuer und entspanntem, ruhigen Genuss gekonnt aus. Manchmal behauptet der Film allerdings auch Dinge, die bei näherer Betrachtung nicht plausibel wirken. Zum Beispiel erschließt sich Pauls verborgener Kummer nicht wirklich, vielmehr muss er ihn wohl einfach haben, als Erklärung für seine Alkoholabhängigkeit. Auch mit Frankreichklischees wird nicht gespart, von der Liebe zum Radsport bis zu den bewundernden Rufen der Männer auf dem Dorfplatz, wenn die schöne Eisverkäuferin vorbeigeht.

Dass die Wohlfühlkomödie gelingt, liegt vor allem an der optischen Gestaltung, an der wunderbaren Landschaft der Provence, untermalt vom Konzert der Zikaden. Einen erholsameren Ort als den Garten der Großeltern, um die Seele baumeln zu lassen, kann man sich kaum vorstellen. Zusammen mit den glaubwürdigen, kernigen Charakteren und dem herzlichen Grundton entsteht der Eindruck einer liebenswerten, tendenziell heilen Welt, die aber nicht in platter Harmlosigkeit versinkt.

Fazit: Trotz kerniger Konflikte zwischen Teenagern aus der Stadt und einem störrischen Großvater vom Land verbreitet die französische Wohlfühlkomödie entspannte, sonnige Ferienstimmung. Dafür sorgen bezaubernde Landschaftsbilder, eine gute Mischung aus Gefühl und Humor, sowie das überzeugende Darstellerensemble, das von Jean Reno angeführt wird.





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