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Hellraiser 3 - Hell in Earth
Hellraiser 3 - Hell in Earth
© Kinowelt

Kritik: Hellraiser 3 - Hell on Earth (1992)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Hellraiser" teilt das Schicksal vieler langlebiger Horrorfilm-Reihen, das sich auf folgende Formel verkürzen lässt: je höher die Zahl hinter dem Titel, desto niedriger das Niveau. Was 1987 unter der Regie des Schriftstellers Clive Barker mit alptraumhaften Kinobildern begann, brennt sich schon lange nicht mehr ins kollektive Filmgedächtnis ein. Seit Teil fünf erscheinen die kostengünstig produzierten Streifen direkt fürs Heimkino. Im Wohnzimmer verursachen die Zenobiten mit ihren billigen Effekten freilich keine Alpträume mehr. Bei mittlerweile neun Fortsetzungen ist die niedrige Nummer von "Hellraiser III" geradezu ein Gütesiegel. An die ersten beiden Filme reicht "Hell on Earth" aber nicht heran. Die Gründe dafür sind ganz unterschiedlich.

Der Auftakt ist noch vielversprechend. Gerry Livelys Kamera gleitet nahtlos von den Credits auf New Yorks Straßen, wo wir dem eingebildeten Nachtklubbesitzer J. P. Monroe (Kevin Bernhardt) und der topp ausgebildeten, aber kaum eingesetzten TV-Reporterin Joey Summerskill (Terry Farrell) folgen. Deren Wege kreuzen sich früh, als Joey eine Story direkt vor die Füße fällt und ihre Recherchen sie in Monroes Amüsierbetrieb, den "Boiler Room", führen. Hier kocht die Stimmung. Die Metaller von "Armored Saint" heizen der Meute ein. Und wenn sich Joey gemeinsam mit der Kamera ihren Weg durch die Tanzwütigen bahnt, etabliert der Film ein stimmiges Bild einer Gesellschaft im Aufbruch. Die miefigen 80er sind zu Ende. Das Partyvolk der beginnenden 90er will von allem ein bisschen zu viel. Die Zenobiten setzen dieser Spaßgesellschaft ihre Schmerzensherrschaft entgegen.

Mit wenigen, immer wieder geschickt zusammengeführten Erzählsträngen hält Peter Atkins solides Drehbuch die Handlung lange schlank und übersichtlich. Narrativen Leerlauf wie noch im direkten Vorgänger "Hellbound – Hellraiser II" (1988) gibt es dieses Mal keinen. Wirr wird es erst zum Finale hin. Dafür geht es weitaus weniger furchterregend zu. In die Figurenzeichnung mischen sich parodistische Züge, die vor allem bei J. P. Monroe ins Auge stechen, der selbst beim Sex eine Zigarette zwischen den Mundwinkeln hat. Einige der grausamen Morde wiederum wirken aus heutiger Warte betrachtet unfreiwillig komisch, etwa wenn Klubbesucher mit dem 1992 noch jungen Medium der Compact Disc einen Kopf kürzer gemacht werden.

Diese und andere Szenen schrammen hart an der Persiflage vorbei, was "Hellraiser III" zu einem seltsam ambivalenten Filmvergnügen macht. Auch das stets engagierte Spiel von Terry Farrell, deren Karriere kurze Zeit später in der Fernsehserie "Star Trek: Deep Space Nine" (1993-1999) erst richtig durchstarten sollte, will nie so recht passen. Vielleicht ist das ja Absicht. Schließlich ist Humor eines von Anthony Hickox' Markenzeichen. Seine Regiekarriere begann der 1959 geborene Engländer 1988 mit der Horrorkomödie "Reise zurück in der Zeit" (Originaltitel: "Waxwork"); und auch in späteren, heute meist vergessenen kleinen Genreperlen wie "Sundown – Der Rückzug der Vampire" (1989) oder "Warlock – Satans Sohn kehrt zurück" (1993) halten sich Komik und Grusel stets die Waage.

Dass Hickox damit für den sadomasochistischen Grundton, für den erotisierten Lustschmerz der Reihe der falsche Regisseur sein könnte, scheint am Ende auch den Machern geschwant zu haben. Einige Szenen mussten nachgedreht werden, auf die Clive Barker als ausführender Produzent nachdrücklich einwirkte. Mit dem Gesamtergebnis, vor allem den allenfalls mittelprächtigen Computereffekten, war er dennoch nicht zufrieden, weshalb er seinen Produzenten-Credit letztlich verweigerte.

Fazit: Zum Zeitpunkt seiner Veröffentlichung war "Hellraiser III: Hell on Earth" der bis dato verdaulichste Film der Reihe. Regisseur Anthony Hickox schraubt den Gore-Faktor deutlich zurück und streut – ob beabsichtig oder nicht – eine Prise Humor über seinen Streifen. Gepaart mit mittelprächtigen Darbietungen und Effekten wird daraus ein seltsam ambivalentes Vergnügen.




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