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Mr. Turner - Meister des Lichts
Mr. Turner - Meister des Lichts
© Prokino

Kritik: Mr. Turner - Meister des Lichts (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Mike Leigh ist eines der wichtigsten Aushängeschilder des New-British-Cinema. Mit seiner Künstlerbiografie "Mr. Turner – Meister des Lichts" ist dem Briten ein wahres Meisterwerk geglückt. Der für seine sozialrealistischen Filme bekannte Regisseur bringt genau diesen Realismus in seine Schilderung des Lebens des Künstler-Genies hinein. Anstatt der Versuchung zu erliegen die Zeit des frühen 19. Jahrhunderts mit den üblichen Mitteln des klassischen Ausstattungskinos in eine bilderbuchartige Sphäre von Schönheit zu entheben, geht Leigh den genau entgegengesetzten Weg. Er präsentiert diese Epoche als eine Zeit in der Glanz und Elend nicht nur dicht beieinander liegen, sondern geradezu miteinander verschwistert sind. Neue wissenschaftliche Entdeckungen und die beginnende industrielle Revolution markieren den Aufbruch in eine Moderne, deren wichtiger Vertreter Turner ist. Doch so grobschlächtig und unwirsch, wie sich der Maler als Mensch darstellt, so unschön und ungesund zeigt sich auch das Leben in dieser Zeit.

Überall erblickt man Schmutz und Hässlichkeit. Es herrschen erbärmliche hygienische Bedingungen, Menschen laufen mit schwarzen Zähnen herum. Als Turners Haushälterin Hannah von einem Ausschlag zunehmend verunstaltet wird, ist dies dem großen Meister nicht einmal eine Bemerkung wert. Der läuft selbst gebückt und grunzend durchs Leben. Wenn er nicht seinen Willen bekommt, knurrt und bellt Turner, wie ein Hund, dem man den Knochen weggenommen hat. Zugleich tritt er den wenigen Menschen, die er wirklich mag, äußerst feinfühlig gegenüber. Turner sorgt sich ernsthaft um die Gesundheit seines geliebten Vaters, er bewundert die Arbeit einer befreundeten Wissenschaftlerin und in seinem letzten Lebensabschnitt beginnt er eine tiefe Liebesbeziehung, die ihn zu ungeahnten Kreativitätsschüben inspiriert. Zugleich stößt Turner die ihn heimliche liebende Hannah und seine von ihm getrennte lebende Frau samt seinen nicht von ihm anerkannten Töchtern immer wieder brutal vor den Kopf. Es sind genau diese Eigensinnigkeit und diese Leidenschaft, die auch an Turners Kunst begeistern. Mike Leigh fängt sie auf eine impressionistische Weise ein, welche dem Werk Turners entspricht.

Fazit: Der britische Landschaftsmaler Joseph Mallard William Turner war genial, Mike Leighs Film über diesen unbequemen Menschen ist es auch.




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