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Becks Letzter Sommer
Becks Letzter Sommer
© Central Film © Wild Bunch

Kritik: Becks Letzter Sommer (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

"Becks letzter Sommer" ist die tragikomische Geschichte eines Mannes, der auf seine Midlife-Crisis zusteuert und die Chance ergreifen will, seine Jugendträume endlich wahr werden zu lassen. Robert Beck ist nicht gerne Musiklehrer, aber mit der Karriere in einer Rockband klappte es seinerzeit ja auch nicht und sein Talent als Songschreiber blieb weitgehend unentdeckt. Der Schriftsteller Benedict Wells hat schon beim Verfassen des gleichnamigen Romans an Christian Ulmen als Hauptdarsteller gedacht. Nun spielt er Beck tatsächlich, in einer merkwürdig lust- und glanzlosen Verfilmung von Regisseur Frieder Wittich. Sie folgt auf seinen Erstlingsfilm aus dem Jahr 2009, der gelungenen, sehr stimmigen Studentenkomödie "13 Semester".

Ulmen spielt sein Talent für schluffige Charaktere als Beck voll aus. Rauli soll als Interpret den Songschreiber groß herausbringen und dieser ihn, wünscht sich Beck. Doch er fällt aus allen Wolken, als diese Win-Win-Lösung nicht wie geplant aufgeht. Soll er den talentierten Gitarristen und Sänger ziehen lassen – oder sich ihm weiterhin, mit einer Lüge, als unentbehrlich aufdrängen? Im Buch entwickelt diese holprige Buddy-Beziehung zwischen Mentor und Schüler einen reizvollen Charme, ein ständiges Auf und Ab der Gefühle Becks: Denn Rauli scheint Talente ohne Ende zu haben, aber auch selten die Wahrheit zu sagen. Außerdem verfügt er über eine Pistole und einen Vater, mit dem nicht zu spaßen ist. Im Film bleibt von den vielen schillernden Momenten in dieser Beziehung nicht viel übrig. Rauli wird von einem 28-jährigen argentinischen Schauspieler dargestellt, der wenig Gespür für die Widersprüche eines Teenagers zeigt und eher auf sachliche Weise ernst wirkt. Am lebendigsten spielt Eugene Boateng, aber Charlies innere Konflikte werden in dieser Inszenierung auch eher nur erwähnt, als wirklich dargestellt.

Warum aber sollte man sich für ein Roadmovie, in das sich der Film in der zweiten Hälfte verwandelt, interessieren, wenn sich nicht alles um die Charaktere und ihre Beziehung dreht? Beck, Rauli und Charlie fahren durch Osteuropa – es gibt Crime, Flucht, pittoreske Straßenszenen in Budapest, Bukarest, Istanbul, Trostlosigkeit, Bilder der Armut auf dem Land. Nur fährt das Gefühl dabei die ganze Zeit auf Sparflamme. Beck muss seine Prioritäten hinterfragen, seine Träume von Ruhm und Kunst, seine Haltung als Freund – auch Lara gegenüber. Das kann man sich schon mal ansehen, aber eher im Fernsehen als auf der Kinoleinwand, wo man dann doch darauf wartet, dass irgendwann der Funke überspringt und die Geschichte zum Erlebnis wird.

Fazit: Die Verfilmung des gleichnamigen Roman von Benedict Wells gelingt dem Regisseur Frieder Wittich nur suboptimal. Weder Christian Ulmen, noch die Darsteller an seiner Seite spielen überzeugende, authentische Charaktere, was aber auch an der oberflächlichen Inszenierung liegt, die sich eher uninspiriert an den Stationen der Handlung entlanghangelt.





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