VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Bocksprünge (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Dass die Low-Budget-Produktion "Bocksprünge" dem Klischee der typischen deutschen Kinokomödie entspricht, wie sie momentan vor allem die Beziehungsfilme mit Til Schweiger, Matthias Schweighöfer und Elyas M'Barek prägen, lässt sich nun wirklich nicht sagen. Mit im Kino selten zu sehenden, dafür im Fernsehen sehr präsenten Darstellern wie Benjamin Sadler, Julia Koschitz und Jule Ronstedt inszeniert der Regisseur, Drehbuchautor und Hauptdarsteller Eckhard Preuß ein ausgelassene Bäumchen-wechsle-dich vor Münchener Kulisse, dass dramaturgisch und tonal andere Wege einschlägt als die große Konkurrenz.

Auffällig ist vor allem die stark episodische Struktur, die einer Vielzahl von Figuren und Erzählsträngen Raum bietet und mehr zum Abschweifen als zur Verdichtung des Geschehens neigt. Dabei bleibt der humorige Tonfall auch bei den turbulentesten Verstrickungen stets betont trocken und wird erst zum Finale hin ernsthafter und ein wenig melodramatisch. Aber selbst wenn das bunte Beziehungskarussell zum Ende hin schließlich immer mehr einem vorhersehbaren Pärchenidyll weicht, muss man Preuß und seinem Koautoren Butz Buse zugutehalten, dass sie sich einer allzu konservativen Moral mit einer letzten Pointe entziehen. Die lustvolle Grenzüberschreitung des Partnerwechsels wird nämlich nicht einfach dem Diktat der trauten Zweisamkeit unterworfen und überschattet so auf angenehme Weise die biedere Happy-End-Stimmung.

Dass boulevardeske Stoffe wie "Bocksprünge" auch im Kino durchaus hervorragend funktionieren können, haben unter anderem bereits Filmemacher wie Pedro Almodóvar und François Ozon eindrucksvoll bewiesen. So sind es vielleicht gar nicht so sehr die hanebüchenen Wendungen, die flachen Figuren sowie die stark auf Pointen getrimmten Dialoge, die bei Eckhard Preuß' Spielfilmdebüt letztlich mehr an einen einfältigen Theaterschwank oder generische TV-Unterhaltung denken lassen als an gutes Kino. Es sind die visuelle Armut, die auf der großen Leinwand noch einmal mehr zum Tragen kommt, sowie Preuß' unbeholfene Inszenierung, die "Bocksprünge" für das Kino so reizlos machen.

Fazit: Das Erstlingswerk vom Eckhard Preuß erweist sich als typischer Stoff des Boulevardtheaters. Leider gelingt es dem Regisseur und Drehbuchautoren nicht, aus dem wilden Beziehungsreigen seiner Figuren einen für die große Leinwand reizvollen Film zu schaffen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.