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Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss
Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss
© Camino

Kritik: Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Was machen Profikiller eigentlich zwischen zwei Aufträgen? Dieser Frage geht Regisseur Florian Mischa Böder, der mit Clemente Ferndandez-Gil auch das Drehbuch geschrieben hat, in seinem Film mit dem schönen Titel "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" nach. Nachdem Koralnik (Benno Fürmann) seine Ausbildung zum Auftragsmörder einer geheimen Sondereinheit der EU absolviert hat, hält er sich seit acht Jahren streng an deren Regeln: kein Alkohol, keine sozialen Kontakte, nicht auffallen und immer die Tarnung aufrechterhalten. Also verbringt er seine Tage auf einem Parkplatz, hört informative CDs und wartet auf den Auftrag. Doch in den acht Jahren kam nicht eine Mission. Als er sich dann – verbotenerweise – mit einem seiner Kollegen trifft und erfährt, dass dieser jedes Jahr immerhin vier Aufträge hatte, wird er erstmals trotzig und nimmt die nächste Gelegenheit wahr, sich mit Rosa (Mavie Hörbiger) zu verabreden. Sie hat scheinbar zufällig sein Auto gerammt – und lässt sich einfach nicht wieder abschütteln. Der sozial leicht eingerostete Auftragskiller trifft nämlich auf eine naiv wirkende, tatsächlich aber gewiefte Trickbetrügerin, die ihm Geld abgaunern möchte. Sie zwingt ihn dazu, etwas zu tun, was er seit acht Jahren nicht gemacht hat: zu kommunizieren. Und aus dieser Situation entsteht sehr viel Komik.

Ohnehin überzeugt "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" mit seiner sehr guten Ausgangsidee und dem Mut, einen Genrefilm in Deutschland zu drehen. Doch leider ist lediglich das erste Drittel gelungen. Hier stimmt die Mischung aus Absurdität und Komik. Sobald Koralnik aber seinen Auftrag erhält, driftet "Die Einsamkeit des Killers vor dem Schuss" zunehmend in Richtung Slapstick, außerdem werden immer mehr Themen leicht angerissen. Anstatt also die Idee weiterzuverfolgen, einen Auftragskiller als Menschen mit sozialen Bedürfnissen zu zeigen, soll die Angst vor dem Terror persifliert werden. Hinzu kommt, dass Benno Fürmann und Marvie Hörbiger mitunter zu übertrieben agieren, so dass in einigen Szenen das für einen absurd komischen Film essentielle Timing nicht stimmt.

Jedoch machen die Idee, die Verwendung der Musik und die schönen, oftmals leicht überbelichten Bilder durchaus Hoffnung, dass Florian Mischa Böder und Clemente Fernandez-Gil eine neue Richtung im deutschen Kino einschlagen, die es so noch nicht gab. Und das wäre sehr wünschenswert.

Fazit: Leider wird das Potential der überzeugenden Grundidee und schönen Inszenierung nicht ausgeschöpft.




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