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Kritik: War Dogs (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die wahnwitzige Geschichte um David und Efraim hat sich vor rund zehn Jahren tatsächlich so zugetragen. Zuerst berichtete das US-Magazin "Rolling Stone" über den schier unglaublichen Fall. Auf diesem Bericht beruht auch das Drehbuch für "War Dogs", das u.a. von Regisseur Todd Phillips verfasst wurde. Der Regisseur und Drehbuchautor ist vor allem für seine Komödien bekannt, die sich an den Kassen bisher stets zu großen Hits entwickelten: von "Road Trip" (2000) über "Hangover" (2009) bis hin zu "Stichtag" (2010). Mit einem Budget von rund 40 Millionen Dollar kostete "War Dogs" in etwa so viel wie sein bisher größter Hit, "Hangover". In beiden Filmen wirkt Phillips-Intimus Bradley Cooper mit. Die Dreharbeiten begannen Anfang 2015 in Rumänien und führten das Team über Las Vegas, Burbank und Florida bis nach Marokko. Premiere feierte der Film im August in New York City.

Wer auf rasante, teils brachiale und mit viel Wortwitz gewürzte Action-Buddy-Komödien steht, der wird an "War Dogs" mit all seiner Kurzweiligkeit und farbenprächtig-satten Bildsprache seine Freude habe. Man könnte das Werk am ehesten als eine laute, überdrehte Mischung aus "Lethal Weapon", "Rush Hour" und "Scarface" beschreiben – und das alles auf Droge. Von den beiden erst genannten Filmen hat "War Dogs" die Buddy-Movie-Attitüde sowie die Verschiedenartigkeit der Protagonisten, die zu einigen witzigen Momenten führt. An Mafia- und Gangster-Epen erinnert der Film u.a. aufgrund des Voice-Over-Kommentars von David sowie des Einstiegs mit der Rückblende – Elemente und Stilmittel, die sich in einigen Filmen von Brian de Palma ("Carlitos Way", "Scarface") und Martin Scorsese ("Hexenkessel", "Casino") wiederfinden, zwei Meistern des gepflegten, coolen Gangsterfilms.

Dazwischen gibt u.a. stilisierte, farbenprächtige Hochglanz-Bilder, z.B. von Miami Beach oder sündhaft teuren Edel-Schuppen, lebensbedrohliche Verfolgungsjagden durch die Wüste und einen wie im Wahn aufspielenden, leicht zum Overacting tendierenden Jonah Hill. Dieser entwickelt als Efraim eine wahrhafte Obsession für das Geschäft als "War Dog", bekommt aber auch schon mal einen lautstarken, körperbetonten Wutanfall im Pentagon. Apropos Körper: Hill – der ja ohnehin nicht der schmalste und leichteste ist – nahm für diese Rolle nochmals deutlich zu, um der Figur des realen "War Dog", den er verkörpert, auch optisch so nahe als möglich zu kommen.

Das alles ist sehr unterhaltsam und spaßig mit anzusehen, schade ist aber, dass Regisseur Phillips dann auch noch ein wenig die Grandezza des (Familien)-Dramas bemüht, spätestens wenn Davids Freundin Iz die Machenschaften des Freundes nicht mehr mit ihren eigenen Ansichten vereinbaren kann. Somit will der Film – noch mehr als zuvor schon – alles auf einmal sein: Klassiker-Hommage, Action-Movie, Komödie, Buddy-Spaß, gesellschaftskritische Kriegssatire im Stile von "Lord of War" – und dann eben auch noch die (leichten) Anflüge eines Familiendrama. Die sich eigentlich auch schon zu Beginn im Film wiederfinden, wenn der unter Dauer-Finanznot leidende David schauen muss, wie er seine Kleinfamilie ernähren kann.

Fazit: Überdrehter, extrem unterhaltsamer und mit einem fulminant aufspielenden Jonah Hill ausgestatteter Genre-Mix, der aber zu viel auf einmal sein will: Gangsterfilm-Hommage, Action-Komödie, Buddy-Spaß, gesellschaftskritische Kriegssatire und Familiendrama. Weniger wäre mehr gewesen.





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