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Downsizing
Downsizing
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Downsizing (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Menschen haben den Planeten an den Rand des Ruins getrieben, weil sie nicht bereit waren, den Gürtel enger zu schnallen und umweltbewusster zu leben. Und die Weltbevölkerung wächst rasant weiter. In Amerika aber hängen Mittelständler wie Paul und seine Frau Audrey immer noch dem Traum von einem Leben in Luxus und mit schönem Eigenheim nach. Nun hat die Wissenschaft einen Weg gefunden, Umweltschutz und den Wunsch nach Wohlstand unter einen Hut zu bringen: Man muss nur bereit sein, sich auf die Größe von zwölf Zentimetern schrumpfen zu lassen, dann kann man sich vom erarbeiteten Geld deutlich mehr leisten und verbraucht weniger. Mit dieser satirischen Zukunftsfantasie stellt der amerikanische Regisseur Alexander Payne ("About Schmidt", "The Descendants") die an materiellem Erfolg orientierten Lebensziele in der westlichen Gesellschaft infrage.

Sein Held Paul Safranek hat offenbar ein Problem mit seinem Selbstwertgefühl. Er glaubt, nicht genug aus sich gemacht zu haben, denn er konnte nicht Chirurg werden, sondern nur Physiotherapeut, und das Geld reicht für die am Markt offerierten Immobilien nicht. Für die Entscheidung zur Schrumpfung bekommt er eine böse Quittung, denn ohne die getürmte Frau macht der Luxus in Leisureland keinen Sinn. Nun taumelt Paul haltlos durch seine Tage und klagt, dass es keine Vögel und Insekten unter dem Kuppeldach gibt. Einige der besten Passagen handeln davon, wie Paul versucht, in Leisureland Fuß zu fassen, obwohl er mit der Realität fremdelt wie der einsame Rentner in "About Schmidt".

Auch bei den Geschrumpften aber gibt es die sozialen Unterschiede, die in der Welt der Normalwüchsigen herrschen. Ngoc Lan haust als Flüchtling mit vielen armen Hispanics in einer schäbigen Miniatur-Blocksiedlung vor der Mauer, die Leisureland umgibt. Mit dieser Frau könnte Paul eine neue Beziehung eingehen. Aber vielleicht besteht der Sinn seines Lebens darin, sich den norwegischen Schrumpf-Pionieren anzuschließen und den nächsten radikalen Schritt zur Rettung der Menschheit zu gehen.

Vieles dient hier allein der Komik, so auch die Figur des serbischen Geschäftsmanns, den Christoph Waltz mit bewährt vollmundigem Zynismus spielt. Amüsant und klug zugleich wird hingegen geschildert, wie Matt Damons Charakter von der forschen Vietnamesin mit seiner Einfalt konfrontiert wird. Nicht alle Raketen dieses ideenreichen filmischen Feuerwerks zünden, aber es bietet dennoch faszinierende und zum Nachdenken anregende Unterhaltung.

Fazit: Alexander Paynes futuristische Gesellschaftssatire verbindet den Gedanken des Gesundschrumpfens auf aberwitzige Weise mit dem Streben nach Wohlstand. Der von Matt Damon amüsant und einfühlsam gespielte Hauptcharakter Paul muss feststellen, dass das für die eigenen Lebensziele gebrachte Opfer, ein Zwerg zu werden, nicht ganz durchdacht war. So knöpft sich dieser kurzweilige, mit seiner oft geistreichen Komik auch anregende Film die zeitgenössische Konfusion angesichts von Zukunftsangst und Anspruchsdenken vor.




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