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La Buena Vida - Das gute Leben
La Buena Vida - Das gute Leben
© Camino

Kritik: La Buena Vida - Das gute Leben (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Der deutsche Dokumentarfilmer Jens Schanze ist in Kolumbien einem regelrechten Skandal auf die Spur gekommen. Was in dieser simplen Kausalität schon beinahe anachronistisch klingt, mussten die indianischen Bewohner des Dorfs Tamaquito am eigenen Leib erfahren: Weil eine gigantische, von ausländischen Konzernen betriebene Mine Steinkohle – vor allem auch für den deutschen Markt - exportiert, wird die einheimische Bevölkerung umgesiedelt, unter fadenscheinigen Versprechungen, die nicht eingehalten werden. Bis 2013 konnten die 35 Familien von Tamaquito im Fluss fischen, in den Bergen jagen, aber in ihrem neuen Dorf sitzen sie mitten in einem Trockengebiet. Dabei hat ihr junger Anführer Jairo Fuentes Epiayu alles richtig gemacht: Er ließ eine gesicherte Wasserversorgung sogar vertraglich vereinbaren. Aber Papier ist geduldig, und der Konzern Cerrejón verliert nach der Umsiedlung das vorher behauptete Interesse am Wohlergehen der Dorfbewohner. Der Kampf der Umgesiedelten geht weiter: Inzwischen fordern sie zusammen mit Nachbardörfern den Bau einer Wasserleitung vom Fluss – eine Maßnahme, die dem Rohstoffkonzern bislang zu teuer war.

Der rein beobachtende Film fängt Szenen des friedlichen Lebens im Bergdorf Tamaquito ein, das von Wayúu-Indianern bewohnt wird. Die gigantische Kohlemine El Cerrejón ist bereits bis auf vier Kilometer herangerückt. Der junge Dorf-Anführer Jairo weiß zwar, dass sich die Umsiedlung wohl nicht verhindern lässt, aber er setzt auf Verhandlungen. Den Familien von Tamaquito wird von Cerrejón Beratung und Schulung bei der Vermarktung von landwirtschaftlichen Produkten und Kunsthandwerk versprochen. Aber die Kamera blickt in misstrauische, besorgte Gesichter. Am neuen Standort wirkt zunächst alles sehr fortschrittlich: Statt der alten Lehmhütten gibt es Häuser mit gefliesten Böden, abschließbaren Türen, Strom und Gasherd in der Küche. Aber die Schulkinder spielen in einer Wolke aus Staub und auf dem trockenen Boden wollen keine Bananenstauden wachsen.

Jairo fährt 2014 sogar zur Aktionärsversammlung von Glencore in die Schweiz, um die fehlende Wasserversorgung im Dorf zu reklamieren. Aber dort schlägt ihm die gleiche arrogante Indifferenz entgegen, die sich auch schon in den Umsiedlungsverhandlungen ein Jahr zuvor abzeichnete. Es ist empörend, wie mit Menschen umgegangen wird, die von den Unternehmern für ungebildet und naiv gehalten werden und die vom eigenen Staat im Stich gelassen sind. Aber an diesem aufwühlenden Beispiel zeigt der engagierte, sehenswerte Dokumentarfilm auch auf, dass der europäische Verbraucher eine Mitverantwortung für diese an Kolonialismus erinnernden Vorgänge trägt.

Fazit: Ein beobachtender Dokumentarfilm, der trotzdem sehr engagiert wirkt: Jens Schanze filmt die Umsiedlung eines Dorfes in Kolumbien und zeigt dabei ganz konkret auf, wie eng deutscher Strom aus Kohlekraftwerken mit der Not indianischer Familien zusammenhängt.





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