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© Universal Pictures International Germany

Kritik: Unknown User (2014)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Angekündigt wird "Unknown User" im Presseheft als "Blair Witch Project" für die Internet-Generation, womit der günstig produzierte Horrorstreifen recht gut umschrieben ist. Schließlich wandelt er – ähnlich wie Nacho Vigalondos Cyberthriller "Open Windows" – den mittlerweile totgelaufenen Found-Footage-Stil in eine Desktop-Ästhetik um. Nahezu alles, was der Zuschauer im Film zu sehen bekommt, spielt sich auf dem Bildschirm von Blaire Lily (Shelley Hennig) ab, die sich ein Jahr nach dem Selbstmord der Highschool-Schönheit Laura Barns (Heather Sossaman) mit ihren Freunden in einem Skype-Chat trifft. An einem Ort, wo die Clique schon bald von einem unbekannten User mit schier übermenschlichen Fähigkeiten terrorisiert wird.

Gewöhnungsbedürftig ist die gewählte Darstellungsform zweifellos, da sie auf den ersten Blick äußerst starr erscheint. Von Anfang bis Ende betrachten wir einen Monitor, auf dem die Protagonistin zwischen dem Skype-Videochat, ihrem Facebook-Account, der Google-Startseite und anderen Diensten hin- und herspringt. So, wie es unzählige Teenager heute praktizieren. Unterschiedliche Fenster sind parallel geöffnet, damit man stets auf das zugreifen kann, was gerade wichtig ist. Aus dem Zusammenspiel von Klicken, Verkleinern, Vergrößern, Tippen und Löschen entsteht sehr schnell eine eigene Dynamik, bei der die Aufmerksamkeit des Publikums auf viele kleine Details gelenkt wird. Etwa die häufig undifferenzierte Mediennutzung heutiger Jugendlicher.

Wie so oft sind formale Experimente und spannende Themenansätze aber noch lange keine Garanten für ein rundum fesselndes Kinoerlebnis. Auch wenn der Film das rücksichtslose Cybermobbing, das die Handlung in Gang setzt, kritisch beleuchtet und durch den geisterhaften User gegen die Täter wendet, bleibt vieles Stückwerk. Weder erhalten wir Einblick in das Leiden des Opfers, noch kommen die Chat-Teilnehmer über die altbekannten Teenie-Klischees hinaus. Alle sechs werden unsympathisch gezeichnet und sind, das lässt sich schnell erahnen, nicht unschuldig an Lauras Tod – weshalb es wenig überraschend ist, wenn sie sich nach dem behäbigen Auftakt schrittweise aus dem Geschehen verabschieden. Schnelle und konsequente Abgänge, die den Zuschauer meistens kalt lassen, da das Verhalten der Figuren ein Mitfiebern unterbindet.

Noch problematischer ist allerdings, dass der Horrorthriller "Unknown User" zu selten handfeste Schreckmomente aufbietet. Hier und da ziehen Regisseur Levan Gabriadze und Drehbuchautor Nelson Greaves zwar die Jump-Scare-Karte, richtig unter die Haut gehen die Ereignisse aber nie. Selbst dann nicht, als der unheimliche User die verbliebenen Protagonisten bei einem perfiden Frage-und-Antwort-Spiel zwingt, sich gegenseitig in die Pfanne zu hauen. Leider wirkt die überhandnehmende Panik in dieser Sequenz häufig unfreiwillig komisch. Zugutehalten muss man den Machern bei aller Enttäuschung über das verschenkte Potenzial, dass sie den Plot ohne Rücksicht auf Verluste bis zum Ende durchdeklinieren und Cybermobbing als das brandmarken, was es ist: ein abscheuliches Phänomen unseres digitalen Zeitalters.

Fazit: Während "Unknown User" mit seiner Desktop-Optik einen interessanten formalen Weg einschlägt, treten die eigentlich spannenden Themen "Cybermobbing" und "Mediennutzung" hinter einer selten mitreißenden Horrorgeschichte und unsympathischen Protagonisten zurück.





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