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Kritik: Sworn Virgin (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die Mutter nimmt die beiden Teenager ins Gebet. Andächtig auf dem Bett sitzend müssen die zwei Halbschwestern die Litanei der Mutter anhören, die erklärt, was Frauen im Gegensatz zu Männern alles nicht dürfen. Die Liste ist endlos. Und die Reaktion der beiden Mädchen auf ihre Situation in den albanischen Bergen mit ihren archaischen Gesetzen wird unterschiedlich ausfallen, sobald sie erwachsen sind.

Lila wird vor der arrangierten Ehe nach Italien fliehen, während Hana einem alten Brauch folgend ewige Jungfräulichkeit schwört und zu einen Mann wird, der Mark genannt wird. Doch nach dem Tod ihres Stiefvaters, der gleichzeitig ihr Mentor war, und ihrer Stiefmutter hält sie nichts mehr in der Einöde - kurzentschlossen macht sie sich nach Mailand auf und quartiert sich bei ihrer nichts ahnenden Stiefschwester und deren Mann und Teenager-Tochter ein.

Regisseurin Laura Bispuri hat einen ruhigen, beobachtenden Debütfilm hingelegt. Er nimmt sich Zeit für seine Figuren, hängt lange und eng an ihren Gesichtern. Die Kamera ist an Gesten, unmerklichen Bewegungen und einer Änderung der Mimik interessiert. Die Geschichte von Hana und Lila entfaltet sich parallel im Hauptstrang der Handlung im modernen Mailand, wo Hana nach 14 Jahren Leben als Mark mit der Rolle der selbstbestimmten Frau konfrontiert wird und ihren eigenen Lebensweg kritisch zu hinterfragen beginnt, und den Rückblenden auf das Leben in Albanien. Mit den Eselskarren, Gewehren und Holzzubern scheint diese Welt nicht nur gesellschaftspolitisch rückständig, wie aus der Zeit gefallen. Bispuri setzt keine Einblendungen ein, um das Gezeigte zu erklären oder einzuordnen. Sie lässt auch keine großen Expositionsreden durch ihre Figuren schwingen, sondern vertraut auf die Selbsterklärung der Bilder.

Die Regisseurin und Drehbuchautorin übertreibt es bei ihrer Adaption des Romans der Albanerin Elvira Dones aus dem Jahr 2014 nicht mit der Langsamkeit, sondern treibt die Geschichte stetig voran. Sie wird durch hervorragende Darsteller unterstützt, allen voran Alba Rohrwacher, die alle das "weniger ist mehr" auf das Begrüßenswerteste verinnerlicht haben. Grandios die darstellerische Leistung Rohrwachers alleine in der aus der Totalen gefilmten Einstellung, wie sich ihr Schritt kaum merklich verändert, als sie von hinten von dem Bademeister (Lars Eidinger) überholt wird, dessen Berührung sie herbeisehnt.

Letztlich fehlt es dem Film allerdings an äußerer Spannung, und bleibt es offen, was die Wandlung der Hauptfigur nun in die Richtung, die sie dann einschlägt, befördert. Der Film legt nahe, dass die Zeit einfach reif war. Dennoch wirkt der Schluss dann allzu ordentlich-nett abgewickelt. Dass die Figuren diese Zufriedenheit ausstrahlen, wie sie es dann tun, konnte man als Zuschauer nach dem weiterhin im Tonfall gedämpften vorangegangenen Szenen so plötzlich nicht unbedingt erwarten.





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