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Ouija: Ursprung des Bösen
Ouija: Ursprung des Bösen
© Universal Pictures International Germany

Kritik: Ouija: Ursprung des Bösen (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ein Hasbro-Brettspiel als Vorlage für einen Horrorfilm. Dazu eine Handvoll Teenager, die im Verlauf der Handlung ihr Leben lassen. Und eine Inszenierung, die konsequent auf ausgelutschte Standards setzt. Aus diesen Zutaten formte Regiedebütant Stiles White 2014 einen mauen Spukstreifen, den viele Zuschauer schon nach dem Verlassen des Kinosaals wieder vergessen haben dürften. Dass "Ouija – Spiel nicht mit dem Teufel" dennoch einen zweiten Teil geschenkt bekam, liegt an den starken Einnahmen, die der gering budgetierte Film überraschend erzielen konnte. Anders als erwartet erweist sich das nun startende Prequel als recht passable Schauergeschichte, die erst zum Ende hin etwas Federn lässt. Verantwortlich für die angestiegene Qualität ist Regisseur und Koautor Mike Flanagan, dem 2013 mit "Oculus" ein erfrischend doppelbödiger Gruselthriller gelang.

Auch und gerade im Horrorgenre zahlt sich eine genaue Charakterzeichnung aus, wie "Ouija: Ursprung des Bösen" eindrucksvoll beweist. Da wir im Verlauf der Handlung um unsere Hauptfiguren bangen sollen, führen uns Flanagan und Schreibpartner Jeff Howard behutsam in das Leben der verwitweten Alice Zander (Elizabeth Reaser) und ihrer Töchter Doris (Lulu Wilson) und Paulina (Annalise Basso) ein. Der Schmerz über den Verlust des Ehemanns und Vaters ist ständig greifbar und wird nur selten von simplen Jump-Scares überlagert, die im Genre eigentlich inflationär Verwendung finden. Sorgfältig legt das Drehbuch die Beziehungen der Figuren offen und lässt uns mit der Kleinfamilie mitfühlen, die sich durch fingierte Séancen über Wasser halten will. Flanagans überlegter Ansatz zeigt sich schon beim Einstieg, der wie eine handelsübliche Geistersitzung beginnt, sich dann jedoch als geschickt präparierter Schwindel entpuppt und augenzwinkernd auf die allgemeine Effektlastigkeit des Horrorkinos verweist.

An die Stelle knalliger Geisterbahnmomente rückt lange Zeit eine Atmosphäre des Unbehagens, die sich nicht zuletzt aus dem starken Spiel der kleinen Lulu Wilson speist. Überzeugend und leichtfüßig wechselt die Jungdarstellerin zwischen kindlicher Unschuld und verstörender Besessenheit, wobei vor allem eine Szene im Gedächtnis haften bleibt: Mit einem versonnenen Lächeln auf dem Gesicht erklärt die zunehmend von einer Geisterpräsenz kontrollierte Doris dem neuen Freund ihrer Schwester, wie es sich anfühlt, erwürgt zu werden. Dass "Ouija: Ursprung des Bösen" den ersten Teil klar übertrifft, liegt auch an glaubhaft geschriebenen und verkörperten Nebenfiguren wie Pater Tom (Henry Thomas), dem das Skript eine berührende Hintergrundgeschichte und eine schöne Restaurantszene mit Alice Zander zugesteht.

Ein Lob gebührt Flanagan und seiner Crew darüber hinaus für den netten Retro-Flair, den der in den 1960er Jahren angesiedelte Film von seinen ersten Einstellungen an mit einem alten Universal-Logo versprüht. Alles bestens also, wenn es da nicht das letzte Drittel gäbe. Leider weichen die Macher dort von ihrer vorherigen Marschroute ab, bedienen sich mehrfach langweiliger Schreckklischees und bemühen noch dazu Erklärungen, die Originalität und Raffinesse vermissen lassen. Rundum positiv ist der Eindruck folglich nicht, den man am Ende mit aus dem Kino nimmt. Unter all den Genre-Fortsetzungen, die Monat für Monat auf den Markt geworfen werden, zählt "Ouija: Ursprung des Bösen" aber sicherlich zu den besseren Vertretern.

Fazit: Mit Mängeln behaftet, dem Vorgänger aber deutlich überlegen. Wer atmosphärischen Grusel und überzeugende Darsteller sucht, ist beim "Ouija"-Prequel an der richtigen Adresse.





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