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Kritik: Lou Andreas-Salomé (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Die Geschichte von Lou Andreas-Salomé und ihrer Beziehung zu einigen der wichtigsten Intellektuellen ihrer Zeit, ist ähnlich bemerkenswert und zugleich unbekannt, wie die der späteren Psychoanalytikerin Sabine Spielrein zu Carl Gustav Jung. Letztere wurde von David Cronenberg in dem für dessen Verhältnisse ungewöhnlich braven Historienfilm "Eine dunkle Begierde" (2011) filmisch gewürdigt. Prinzipiell hätte die Lebensgeschichte von Lou Andreas-Salomé das Potential noch deutlich mehr Interesse zu erwecken, als die ihrer devoten Kollegin und Landsfrau. Denn Lou war sowohl eine wichtige Intellektuelle als auch eine extrem frühe Vorreiterin eines radikalen Feminismus.

Leider versagt die Regisseurin Cordula Kablitz-Post weitestgehend bei dem Unterfangen, diese aufregende Geschichte in einer adäquate filmische Form umzusetzen: Dies liegt insbesondere an der durchgehend schwachen Figurenzeichnung im Film. Besonders unangenehm fällt auf, dass in dem Film alle Männer - einschließlich Nietzsche und Rilke - nicht viel mehr als infantile Witzfiguren am Rande zur absoluten Lächerlichkeit sind. Aber auch Katharina Lorenz wirkt in der Rolle von Lou im Alter einer jungen Frau eher bemüht, als souverän. Wenn sie beispielsweise den Philosophen Paul Renée bei ihrer ersten Begegnung mit ihren scharfsinnigen Bemerkungen zur Philosophiegeschichte verblüfft, so wirkt ihr Stolz mehr wie der Stolz eines kleinen Mädchens über den brav auswendig gelernten Text, als der Stolz einer jungen Intellektuellen über ihre Geistesblitze.

Die einzigen Figuren im Film, die wirklich glaubhaft sind, sind ausgerechnet die Kleingeister und Spießbürger, vor denen es Lou mehr graut, als vor irgendetwas anderen. Personen, wie Lous bornierte Mutter (Petra Morzé) sind in diesem Biopic am überzeugendsten. Personen wie der schüchterne Germanist Ernst Pfeiffer (Matthias Lier) bewegen sich im gelben Bereich und Geistesgrößen, wie Friedrich Nietzsche (Alexander Scheer) verkommen zu Knallchargen. Trotzdem ist die Geschichte an sich so interessant, dass der Zuschauer bis zum Schluss gespannt auf die weiteren Entwicklungen bleibt. Doch nach der Sichtung tut sich eine große innere Leere auf.

Fazit: Dieses Biopic erzählt die hoch interessante Geschichte einer zu Unrecht vergessenen Frau. Doch das Einzige, was dem Zuschauer am Ende von diesem Film in Erinnerung bleibt, ist der seltsame Bart von Friedrich Nietzsche.





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