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The Equalizer 2
The Equalizer 2
© Sony Pictures

Kritik: The Equalizer 2 (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Zum vierten Mal arbeiteten Hauptdarsteller Denzel Washington und Regisseur Antoine Fuqua gemeinsam an einem Film. Dazu zählt auch der immens erfolgreiche Vorgängerfilm "The Equalizer", der 2014 bei einem Budget von 50 Millionen Dollar das Vierfache einspielte. Mit 62 Millionen Dollar kostete Teil zwei – für Hollywood-Verhältnisse – nur geringfügig mehr. "The Equalizer" ist der erfolgreichste Film, den Fuqua bisher gedreht hat. Bekannt wurde er in den 90er-Jahren als Videoclip-Regisseur für farbige Künstler (u.a. Prince, Coolio, Shanice). Seinen Durchbruch als Filmemacher feierte er 2001 mit dem Oscar-prämierten Kriminalfilm "Training Day".

Zum ersten Mal überhaupt in seiner langen Filmkarriere, spielt Denzel Washington in einer Fortsetzung mit. Die Überredungskünste von Regisseur Fuqua müssen gefruchtet haben, denn eigentlich schwor sich Washington nach eigener Aussage einst, niemals in einem Sequel zu einem seiner Filme mitzuwirken. Leider reicht "The Equalizer 2" trotz des bewährten Teams Washington-Fuqua allerdings nicht an die Klasse des Erstlings heran. Zum einen kann sich der Film lange Zeit leider nicht entscheiden, ob er seinen inhaltlichen Schwerpunkt auf die Ermittlungen von Plummer in Brüssel oder den Racheakt durch McCall legen will. Und dann gilt es zwischendurch ja auch noch, Plummers Mann zu beschützen. Die Handlung ist letztlich zu verworren und wenig stringent.

Hinzukommen einige belanglose Subplots, die zwar meist nur kurz angerissen werden aber dennoch nichts zum Fortgang der Geschichte beitragen und daher unnötig sind. Bestes Beispiel: Die Nebenhandlung um McCalls Nachbarn, den der Ex-Agent bedingungslos unterstützt und beim Bewältigen der bürokratischen Hürden zwecks Durchsetzung seiner Restitutionsansprüche hilft. Das größte Ärgernis aber ist, dass McCall hier noch mehr als im ersten Teil als schier unbesiegbarer Kämpfer und Retter der Welt Auftritt. Mehr ein Superheld als ein menschliches Wesen. Wie er seine frühere Freundin wieder einmal im Alleingang als Ein-Mann-Armee rächt und trotz seiner fast 65 Jahre unnatürlich stark und flink agiert, mag ja noch angehen. Dass er allerdings quasi nebenbei mal eben so in die Türkei fliegt um dort Gerechtigkeit walten zu lassen und sich auch noch des Nachbarjungen annimmt, damit dieser nicht in die Kriminalität abrutscht, ist zu viel des Guten und schlicht unglaubwürdig. Es wirkt, als könne der "Equalizer" das Böse in der Welt praktisch alleine besiegen.

Dennoch ist "The Equalizer 2" nicht völlig misslungen. Das liegt vor allem an den rohen, körperbetonten Action- und Kampfsequenzen, die Fuqua ungemein dringlich (und auch äußerst brutal) inszeniert. Neben den dynamischen Nahkampf-Momenten überzeugt in erster Linie das mitreißende Finale in einem tosenden Wirbelsturm. Daneben beweist Washington erneut seine hohe Leinwandpräsenz. Zwar sind nicht alle Kampfszenen glaubwürdig, gerade wenn man sich das mittlerweile hohe Alter Washingtons vor Augen führt. Dennoch: Der große Charaktermime agiert ausdrucksstark und verleiht seiner Figur eine unnahbare, kompromisslose Aura.

Fazit: Action und Kampfszenen top, Dramaturgie und Story flop – "The Equalizer 2" fehlt die Durchschlagskraft und das Überraschungsmoment von Teil eins, überzeugt aber mit dynamischen Nahkämpfen und einem gut aufgelegten Hauptdarsteller.




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