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Ein ganzes halbes Jahr
Ein ganzes halbes Jahr
© Warner Bros.

Kritik: Ein ganzes halbes Jahr (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Die fröhliche Louisa und der vornehme Will sehen aus, als wären sie zum Bilderbuchpaar bestimmt. Doch zwischen ihnen liegen Welten, obwohl sie beide im selben englischen Provinzkaff leben: Will ist der Sohn der Schlossbesitzer, Louisa die jobsuchende Tochter einer Familie von Arbeitslosen. Noch wichtiger als der soziale Unterschied aber ist die Barriere, die Wills Behinderung darstellt. Der junge, einst lebenslustige Banker ist seit dem Unfall vor zwei Jahren auch psychisch nicht mehr derselbe und lässt so gut wie niemanden an sich heran. Die britische Regisseurin Thea Sharrock gibt mit dieser Verfilmung des gleichnamigem Romans von Jojo Moyes, die auch das Drehbuch schrieb, ihr Kinodebüt.

Louisa ist keine gelernte Pflegerin und hat auch keinerlei Erfahrung im Umgang mit Behinderten. Aber sie bekommt den Job, weil sie so viel gute Laune ausstrahlt. Nicht nur in diesem Punkt erinnert die Geschichte an die Erfolgskomödie "Ziemlich beste Freunde". Denn Louisa nimmt ihren Schützling bald mitsamt Rollstuhl bald zu allerlei Unternehmungen mit. Auch ein Hauch von "My Fair Lady" durchzieht die Handlung, wenn Will dem ungebildeten, genügsamen Provinzmädchen ein wenig Horizonterweiterung angedeihen lässt. Da draußen könnte eine ganz andere Welt auf sie warten, doch für diesen Schritt muss sie etwas mehr Ehrgeiz und Selbstvertrauen entwickeln. Die sich anbahnende, von Dialogwitz durchzogene Liebesgeschichte aber steuert dann mit dem Thema Sterbehilfe doch einen ganz eigenen Kurs, der die Romantik zartbitter und dramatisch vertieft.

Sam Claflin spielt Will mit einer ernsten Souveränität, die unangestrengt wirkt. Das Herz der Geschichte aber ist Emilia Clarke, die Louisa etwas wunderbar Komödiantisches und Liebenswertes verleiht. Gegen die fröhliche Herzlichkeit dieser einfachen Frau ist Widerstand zwecklos. Und auch gegen ihre schrillen, allzu bunten, allzu kindlich gemusterten Röcke, Pullis, Strümpfe und Schuhe! Ihr tägliches Outfit wirkt wie eine geballte Ladung Sonnenschein. Und der macht sich auch im altehrwürdigen Schlossgemäuer gut. So reizvoll die sozialen Unterschiede auch ausgemalt werden, mitsamt treffender Nebenfiguren, die Geschichte bleibt zu oberflächlich und auf die Tränendrüse fixiert. Insgesamt vermittelt sie einen relativ kitschigen, um Gefälligkeit bemühten Gesamteindruck.

Fazit: Die Verfilmung des gleichnamigen Bestsellers von Jojo Moyes erzählt von der Beziehung eines gelähmten jungen Upper-Class-Engländers zu seiner fröhlichen Gesellschafterin aus dem Kleinbürgertum. Sie spannt einen weiten Bogen von humorvoller Leichtigkeit, die an "Ziemlich beste Freunde" erinnert, bis zum Thema Sterbehilfe. Der zunehmend dramatische Kurs der Handlung vertieft auch ihre romantischen Aspekte, kann aber über den oberflächlichen und auch kitschigen Gesamtcharakter der Geschichte nicht hinwegtäuschen. In sympathischer Erinnerung bleibt vor allem Emilia Clarke in der Rolle einer putzig bunt gekleideten Frohnatur.





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