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Der Moment der Wahrheit
Der Moment der Wahrheit
© Universum Film © SquareOne

Kritik: Der Moment der Wahrheit (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Nach "Spotlight" kommt nun ein weiteres hoch spannendes Drama über investigativen Journalismus und Pressefreiheit in die Kinos. Drehbuchautor James Vanderbilt ("The Amazing Spider-Man") erzählt in seinem Regiedebüt mit hochkarätiger Besetzung die Geschichte der sogenannten "Rathergate"-Affäre des Jahres 2004, die zum Rücktritt des legendären TV-Journalisten Dan Rather führen sollte. Wenn sein Darsteller Robert Redford über den Wert des kritischen Journalismus spricht, dann scheint er nicht nur als Rather, sondern auch persönlich an den mündigen Bürger zu appellieren, die Wächterrolle der Presse zu unterstützen. 2004 ist nicht mehr 1968 oder 1972, die investigativen Journalisten in diesem Film schwimmen nicht auf einer Welle rebellischen Zeitgeists, sondern bekommen den Druck eines Arbeitgebers zu spüren, der sich eine republikanische Regierung wünscht. Und sie erfahren die Macht der Internet-Propaganda. Das Drehbuch basiert auf Mary Mapes' Erinnerungen "Truth and Duty: The Press, the President and the Privilege of Power".

Der Film ist in verschiedene Etappen gegliedert und wirkt zunächst wie eine Geschichte über journalistische Arbeit, die "Spotlight" besser zu erzählen verstand. Mary Mapes und ihre Leute holen unter Zeitdruck Zeugen ans Telefon, lassen die Dokumente durch Sachverständige prüfen. Echte Spannung setzt erst in der zweiten Etappe ein, als der TV-Bericht öffentlich angegriffen wird: Sind die Dokumente nicht billige Computerfälschungen? Mapes, Dan Rather und die Kollegen blicken plötzlich in einen Abgrund, der ihre Integrität zu ruinieren droht. Und sie können ihn nicht vollends überwinden, denn wichtige Zeugen kippen auf einmal um und die ultimative Beweisführung misslingt. Ihr neuer Gegner ist der Arbeitgeber CBS selbst. Rather, eine Art Vaterfigur für Mapes, wird in dieser Existenzkrise ihre moralische Stütze.

Cate Blanchett spielt eine starke, aber auch verletzliche Frauenfigur und Robert Redford, Gründer des Sundance Instituts, ist zweifellos die richtige Besetzung für ein Urgestein des unabhängigen Journalismus. Je mehr sich die Schlinge um die beiden TV-Leute zuzieht, desto stärker kommt die emotionale Qualität des Schauspiels, vor allem von Cate Blanchett, zur Geltung. Der dramatische Verlauf verdeutlicht, an welche Grenzen investigativer Journalismus stoßen kann. Wer fragt, gerät selbst ins Visier, aber Mapes und Rather wissen, dass dies der einzige Weg zwischen Entmündigung und Verschwörungstheorien ist. Oder wie Dan Rather den Fernsehzuschauern zum Abschied sagt: "Nur Mut!"

Fazit: Beim Versuch zu klären, wie Präsident George W. Bush seinen Militärdienst in der Ära des Vietnamkriegs ableistete, bringen sich im Jahr 2004 Journalisten des Senders CBS in große Schwierigkeiten. Das mit Cate Blanchett und Robert Redford prominent besetzte Drama vertieft sich in die Ereignisse, die zum Rücktritt des TV-Nachrichtenmannes Dan Rather führten und gerät zum spannenden Lehrstück über kritischen Journalismus und die Macht des politischen Apparats.




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