VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: The Disaster Artist (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Das Beziehungsdrama "The Room" (2003) von Tommy Wiseau gilt als einer der schlechtesten Filme aller Zeiten, hat sich in den USA jedoch gerade durch das absolute Scheitern des Regisseurs, Drehbuchverfassers, Produzenten und Hauptdarstellers in Personalunion zu einem Phänomen in Mitternachtsvorstellungen entwickelt. Auf Basis des Buchs "The Disaster Artist: My Life Inside The Room, the Greatest Bad Movie Ever Made", welches Wiseaus Kumpel und Co-Star Greg Sestero zusammen mit Tom Bissell schrieb, zeigt James Franco (nach einem Skript von Scott Neustadter und Michael H. Weber) die Entstehung des berühmt-berüchtigten Werks – und liefert eine äußerst unterhaltsame Satire.

Inszenatorisch fällt "The Disaster Artist" recht konventionell aus; die Stärken liegen vor allem in der Zeichnung der Figuren sowie im Schauspiel. James Franco hat den Part von Wiseau übernommen – und verkörpert den hochambitionierten, aber sich selbst (sowohl vor als auch hinter der Kamera) maßlos überschätzenden Exzentriker zwar erwartungsgemäß over the top; er lässt Wiseau indes nicht zur reinen Karikatur werden. Die langen, schwarzen Haare sowie das wunderliche Outfit, der seltsame Akzent und das unberechenbare Verhalten machen den titelgebenden Katastrophenkünstler gewiss zu einem Sonderling – doch ebenso zu einem Faszinosum. Francos jüngerer Bruder Dave – bekannt aus "Die Unfassbaren" und aus "Bad Neighbors" – bildet in der Rolle von Greg Sestero ein passendes Gegenüber, welches teilweise mitgerissen und teilweise irritiert auf den Narzissten Wiseau reagiert. Seth Rogen, Ari Graynor, Jacki Weaver, Josh Hutcherson und Zac Efron sorgen als Cast- und Crew-Mitglieder für weitere amüsante Situationen; hinzu kommen diverse Cameo-Auftritte.

Die zentrale Freundschaft zwischen Wiseau und Sestero hätte in einigen Punkten noch tiefer ausgelotet werden können. Klug ist hingegen die Entscheidung, Wiseau nicht gänzlich zu entmystifizieren: Woher der Filmemacher stammt und wie er an sein Vermögen gelangt ist, mit dem er sein wüstes Werk zu finanzieren vermag, erfahren wir als Zuschauer_innen nicht – wir erleben stattdessen mit, wie aberwitzig und strapaziös es hinter den Kulissen zuging und wie letztlich eine singuläre Arbeit wie "The Room" das Licht der Leinwand erblickte.

Fazit: Eine mit erkennbarer Spielfreude dargebotene Showbiz-Satire, die die Entstehung eines Kultfilms auf humorvolle Weise schildert – ohne ihrem Protagonisten dabei dessen Rätselhaftigkeit komplett zu nehmen.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.