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La belle saison - Eine Sommerliebe
La belle saison - Eine Sommerliebe
© Alamode Film

Kritik: La belle saison - Eine Sommerliebe (2015)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Zwei Frauen erleben im Frankreich des Jahres 1971 einen abenteuerlichen Sommer der Liebe. Sie stehen an einem Scheideweg, der ihnen völlig neue Perspektiven auf das Leben und auf sich selbst eröffnet. Die Pariserin Carole, die sich in der Frauenbewegung engagiert, wusste noch gar nicht, dass sie lesbisch ist. Delphine ist hin- und hergerissen zwischen der Beziehung zu ihr und dem Landleben: Sie will im heimatlichen Dorf um jeden Preis ihr Coming-Out vermeiden. Was vielleicht in der Hauptstadt schon denkbar ist, kann sich die ihren Eltern verbundene Delphine auf dem Land einfach noch nicht vorstellen. Dennoch wird nach dem Glück dieses Sommers für beide Frauen nichts mehr so sein wie früher. Die französische Regisseurin Catherine Corsini ("Die Affäre") erzählt diese wunderbar sinnliche Romanze mit viel Gespür für die zeitliche Epoche und die mit der Frauenbewegung einhergehende Aufbruchstimmung.

Auf einer Straße in Paris grapschen Frauen männliche Passanten an – eine Protestaktion gegen den Sexismus und die Gewalt des Patriarchats. So lernt Delphine die Aktivistin Carole kennen und mit ihr das fröhliche Abenteuer feministischer Bewusstwerdung. In dieses taucht der Film sehr authentisch ein, etwa indem er an die typischen Debatten erinnert, ob Männer von den Versammlungen ausgeschlossen bleiben sollten. Es wird auch viel gelacht und gekichert, denn die Frauen fühlen eine ungewohnte, befreiende Stärke in der Gruppe. Die Liebe von Carole und Delphine hat verschiedene Phasen, aber die Aufbruchstimmung aus Paris nehmen sie mit aufs Land: Sie schwimmen nackt, lieben sich auf der Wiese, erobern sich die Natur. Aber Delphine will ihre neue Einstellung zum Frau-Sein vor den anderen verbergen, sie weiß, wie groß die Kluft zwischen Stadt und Land gerade in dieser Hinsicht ist. Hier ist sie ganz Bäuerin wie ihre Mutter, sie arbeitet hart und verrät mit unsicheren Blicken, dass sie die verspielte Carole am liebsten bremsen möchte. Der Film entwickelt spannenden Suspense um Delphines Zögern und Schweigen, das sich wie zu einer hohen Kumuluswolke aufstaut.

Die beiden Hauptdarstellerinnen harmonieren wunderbar als Gegensätze, die sich über alles Trennende anziehen: die zupackende Delphine, ein Naturkind, die unternehmungslustige Carole, die den Trubel der Stadt vermisst. Noémie Lvovsky spielt Delphines Mutter sehr realistisch in ihren konservativen Einstellungen, ohne sie deswegen zur negativen Figur werden zu lassen. Atmosphärisch bezaubert die Inszenierung mit schönen Landschaftsbildern und mit der Musik der Epoche, zum Beispiel wenn in den Stadtszenen Songs von Janis Joplin erklingen.

Fazit: Die stimmungsvolle Liebesgeschichte zweier ungleicher Frauen erweckt die Siebzigerjahre wieder zum Leben, als Feminismus und Lesbentum aufregende Grenzüberschreitungen bedeuteten. Cécile de France und Izïa Higelin überzeugen als sinnliches und zugleich konflikthaftes Paar, das die Kluft zwischen fortschrittlichem Stadt- und konservativem Landleben zu überwinden versucht.




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