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Rückkehr nach Montauk
Rückkehr nach Montauk
© Wild Bunch

Kritik: Rückkehr nach Montauk (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Zu "Rückkehr nach Montauk" wurde der 1939 in Wiesbaden geborene Filmemacher Volker Schlöndorff ("Die Blechtrommel", "Die verlorene Ehre der Katharina Blum") durch die 1975 veröffentlichte, autobiografische Erzählung "Montauk" des Schweizer Schriftstellers Max Frisch inspiriert. Das Drehbuch zur deutsch-irisch-französischen Co-Produktion verfasste Schlöndorff in Zusammenarbeit mit dem Iren Colm Tóibín (Autor des 2015 verfilmten Romans "Brooklyn"). So entstand eine Geschichte über den Prozess des Schreibens, über die Liebe und deren Hindernisse – sowie über das komplexe Verhältnis zwischen Fiktion und Realität, Lüge und Wahrheit. Es geht um Erinnerung, Verklärung und Projektion – leider wird diesen spannungsreichen Themen jedoch nur wenig Reizvolles abgewonnen.

"Du siehst genauso aus wie in meiner Vorstellung", sagt der Protagonist Max Zorn zu seiner früheren Geliebten Rebecca, als er diese nach langer Zeit endlich wiedersieht. Später ist alles zwischen den beiden dann aber doch ganz anders als vorgestellt. Aus diesem Spiel und diesem Kontrast zwischen dem, was die Figuren imaginieren und sich erhoffen, und dem, was tatsächlich passiert und ehedem passiert ist, hätte "Rückkehr nach Montauk" womöglich bittersüßes dramaturgisches Kapital schlagen können. Dazu wird das Geschehen allerdings zu distanziert eingefangen; etliche Dialoge wirken gestelzt – die geäußerten Gefühle muten eher wie Behauptungen an. Die Kamera von Jérôme Alméras ("So viele Jahre liebe ich dich") findet im Urbanen sowie im titelgebenden Küstenort schöne Aufnahmen; Alméras kann indes nicht verhindern, dass Schlöndorff zu sehr auf das gesprochene Wort und in enttäuschend geringem Maße auf das Visuelle setzt, um die Hintergründe und Motivationen der Beteiligten zu schildern. Dem Werk haftet dadurch etwas Schwerfällig-Biederes an, das auch durch die Musik (zu welcher unter anderem diverse Kompositionen von Max Richter gehören) nicht kaschiert werden kann.

Der schwedische Charaktermime Stellan Skarsgård ("Breaking the Waves", "Verblendung") verleiht dem intellektuellen Max durchaus eine gewisse Aura – dennoch bleibt dieser eine wenig sympathische Figur. An Skarsgårds Seite weiß auch Nina Hoss ("Yella", "Anonyma – Eine Frau in Berlin") ihre wie üblich beeindruckende Ausstrahlung zu entfalten; es gelingt aber zu selten, dass man als Zuschauer_in Nähe zu Rebecca aufbauen kann. Susanne Wolff ("Das Fremde in mir") hat als Max' aktuelle Lebenspartnerin Clara ein paar intensive Momente; ebenso erfreulich ist es, den Franzosen Niels Arestrup ("Ein Prophet") in einer Gastrolle zu sehen. Als echte Leinwand-Entdeckung lässt sich wiederum Isi Laborde-Edozien bezeichnen, die als Max' loyale und engagierte Pressereferentin Lindsey mit ihrer Darbietung in positiver Erinnerung bleibt.

Fazit: Ein dialoglastiges Arthouse-Stück, das trotz gediegener Inszenierung und erstklassigem Cast kaum zu berühren vermag.




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