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Kritik: Auf Einmal (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit ihrem ersten deutschen Film gelingt der seit 15 Jahren zwischen Berlin und Istanbul pendelnden Aslı Özge Großes: Ausgerechnet in der spießigen Kleinstadtenge der realen Stadt Altena im Sauerland entfaltet die türkische Filmemacherin ein so leises, wie spannendes Thrillerdrama, das sich immer mehr zu einer Parabel auf den aktuellen Zustand unserer Gesellschaft auswächst. Hierbei dient die sauerländische Kleinstadt als ein Mikrokosmos für ganz Deutschland - und darüber hinaus. Die tatsächliche Universalität der Geschichte deutet sich bereits anhand der Tatsache an, dass Özge ursprünglich in ihrer türkischen Heimat auf den Film inspirierende reale Vorkommnisse gestoßen war.

Zugleich ist man sich sicher, dass "Auf Einmal" nirgendwo anders, als in einer Kleinstadt, wie Altena spielen könnte. Denn immer mehr mutiert die Handlung zu einem Zweikampf zwischen den bis dahin gänzlich unbedarften Karsten (genial nuanciert: Sebastian Hülk) und "dem System". Letzteres besteht aus den zahlreichen ungeschriebenen Gesetzen, die alle jovial bis freundlich lächelnden Protagonisten in dieser Stadt unhinterfragt einhalten, um ihr Gesicht zu wahren und ihre Position in dieser Gesellschaft zu sichern. Es dauert nicht lange, bis sich von seiner Freundin Laura bis hin zu seinem Chef alle von Karsten abwenden und jener immer stärker den Würgegriff der starren Ordnung verspürt.

Neben der extrem präzisen Regiearbeit von Aslı Özge ist es insbesondere die grandiose Schauspielleistung von Sebastian Hülk ("Oktober November", "Wer ist Hanna?"), die "Auf Einmal" zu etwas ganz Besonderen macht. Der von ihm gespielte Karsten bleibt bis kurz vor Schluss schwer durchschaubar. Dieser Karsten ist ein introvertierter und sperriger Typ. Er hat sich ins gemachte Nest gesetzt und gefällt sich zugleich in der Attitüde des kleinen Rebellen. Er ist der Mittelpunkt seiner Clique ähnlich unbedarfter Wohlstandskinder, die nie in ihrem Leben wirklich für etwas kämpfen mussten. Zugleich hat Karsten etwas von einem einsamen Wolf und ist deutlich reflektierter, als sein oberflächliches Umfeld. All dies kulminiert in einem herrlich bösen Finale, das dem Film endgültig die Krone aufsetzt.

Fazit: Auf einmal war es da: ein wirklich tolles deutsches Thrillerdrama!




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