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Kritik: Official Secrets (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Gavin Hood steht für politisches Kino. Sein bislang größter Erfolg ist das preisgekrönte Drama "Tsotsi", das 2006 einen Auslands-Oscar erhielt. Zuletzt machte der südafrikanische Schauspieler, Drehbuchautor und Regisseur mit "X-Men Origins: Wolverine" (2009) und "Ender's Game" (2013) zwar einen Abstecher in die Science-Fiction, kehrte 2015 mit "Eye in the Skye" aber zum Politthriller zurück. Sein neuer Film rollt ein Ereignis der jüngeren Vergangenheit minutiös wieder auf. Es passt perfekt in unsere hart umkämpfte Gegenwart, in der Fakten und Lügen zunehmend ununterscheidbarer werden.

Hood zieht seinen Thriller realistisch auf. Auch wenn Kameramann Florian Hoffmeister seine stilvoll komponierten Bilder in kühle Farben packt und die Wohnungen, Arbeitsplätze und Verhörzimmer dadurch stets etwas zu gewollt düster wirken, zeigt Hood Gehemeindienstarbeit, wie sie ist: in erster Linie langweilig. "Official Secrets" hat mit den Verfolgungsjagden, Gadgets und Gimmicks eines James Bond nichts gemein. Hier werden streng geheime Daten ganz simpel auf Disketten kopiert. Und hier wird investigative journalistische Recherche als mühevolle und hartnäckige Fleißarbeit nachgezeichnet. Spannend ist das trotzdem oder gerade deswegen.

Hood erzählt von einer mutigen Frau, deren moralischer Kompass noch funktioniert. Katharine Guns Geschichte ist ein Entwicklungsprozess, an dem die Protagonistin wächst. Sie hat ihre Ideale noch nicht im Zynismus ersäuft. Dennoch hadert sie mit ihrer Entscheidung. Mal ist sie fest entschlossen, dann zögert, zaudert und (ver)zweifelt sie, was sie zu einem gleichermaßen glaubwürdigen wie facettenreichen Charakter macht.

Keira Knightley legt in der Hauptrolle abermals eine einfühlsame und mitreißende Performance hin, die dem Publikum alle Phasen von Katharine Guns Leidensweg begreifbar macht. Dabei flankiert wird sie von einem bis in die kleinsten Nebenrollen zwar nicht immer prominent, aber ausgezeichnet besetzten Ensemble. Ralph Fiennes, Indira Varma und Tamsin Greig ergänzen sich als Anwaltsteam ebenso sehenswert wie Matt Smith, Matthew Goode, Conleth Hill und Rhys Ifans, die als Journalisten ihr Berufsethos wiederentdecken.

"Official Secrets" ist ein wichtiger Beitrag zu aktuellen Debatten über Meinungsfreiheit, Fake News, Macht- und Amtsmissbrauch. Hoods Politthriller führt die Bedeutung von Whistleblowern und unabhängigem Journalismus als notwendiges demokratisches Gegengewicht zur Politik eindrücklich vor Augen. Nie mit erhobenem Zeigefinger, aber energisch und dringlich.

Fazit: Obwohl die Geschichte 2003 spielt, besitzt dieser auf wahren Begebenheiten beruhende Film Aktualität und Dringlichkeit. Mit einer glänzend aufgelegten Keira Knightley führt "Official Secrets" die gar nicht hoch genug einzuschätzende Bedeutung von Whistleblowern vor Augen. Ein nervenaufreibender Politthriller ganz ohne Action.




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