oder

The Salesman (2016)

Forushande

Iranisches Beziehungsdrama von Oscar-Preisträger Asghar Farhadi.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.5 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 6 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Der Lehrer Emad Etesami (Shahab Hosseini) und seine Frau Rana (Taraneh Alidoosti) sind auch auf der Bühne ein Paar. Nach der Arbeit schlüpfen sie in einer Theatergruppe in die Rollen von Willy und Linda Loman aus Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden". Kurz vor der Premiere des Stücks wird Rana in der gemeinsamen neuen Wohnung unter der Dusche von einem Fremden überwältigt. Während Rana das traumatische Erlebnis vergessen möchte, macht sich Emad auf die Suche nach ihrem Peiniger.

Die Frage, wer Schuld an dem Vorfall trägt, lässt das Ehepaar nicht mehr los? Ist es der Fremde, der glaubte, die Vormieterin im Badezimmer anzutreffen? Ist es Emads Bekannter Babak (Babak Karimi), der ihm die Wohnung vermittelte, ohne ihn über den Lebenswandel der Vormieterin zu informieren? Ist es Emad selbst, weil er seine Frau nicht beschützen konnte? Oder Rana, weil sie dem Fremden, im Glauben, es sei Emad, selbst die Wohnungstür geöffnet hat?

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The SalesmanSalesmanDie MieterinDie MieterinDie MieterinThe Salesman - Emad (Shahab Hosseini) und Rana...osti)


Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse5 / 5

Regisseur und Drehbuchautor Asghar Farhadi hat es der männlichen Hauptfigur seines Films "Le passé – Das Vergangene" (2013) gleichgetan und ist nach einer kurzen Episode in Frankreich heimgekehrt. Zurück in Teheran macht Farhadi auch in "The Salesman" das, was er am besten kann: Er verhandelt eine Paarbeziehung auf der großen Leinwand, die durch ein traumatisches Ereignis in die Krise gerät und die Figuren vor ein moralisches Dilemma stellt. Farhadis Dramen sind stets auch Krimi, da sie in einer Gesellschaft spielen, deren Mitglieder nicht alles offen aussprechen, (ver-)schweigen, um ihren guten Ruf zu wahren und so noch tiefer in die Krise rutschen. Farhadi setzt dabei auf seine alten Stärken: eine verschachtelte Handlung, die nur Stück für Stück die ganze Wahrheit enthüllt, und ein herausragendes Ensemble.

In den Hauptrollen sind Shahab Hosseini und Taraneh Alidoosti zu sehen, die bereits mehrmals für den Regisseur, in "Alles über Elly" (2009) auch gemeinsam vor der Kamera standen. Als verzweifelter Ehemann Emad, der auf der Suche nach dem Schuldigen selbst schuldig wird, zeigt Hosseini seine bislang beste Leistung unter Farhadi. Emad ist eine für Farhadis Kino typische Figur: ein introvertierter, aber innerlich zerrissener Charakter; einer, der alles richtig machen will und dabei alles falsch macht. Bei den Filmfestspielen in Cannes erhielt Hosseini dafür den Preis als bester männlicher Darsteller.

Bei aller Aufmerksamkeit, die Shahab Hosseini als Motor der Handlung auf sich zieht, sollte man Taraneh Alidoosti nicht übersehen. Wie keine andere in Farhadis Stammensemble beeindruckt Alidoosti durch ihre Wandlungsfähigkeit. Von der schüchtern-naiven Haushaltshilfe in "Feuerzauber" (2006), die die Ehe anderer neugierig beäugt, bis zur nach außen lebenslustigen, im Innern zu Tode betrübten Titelfigur in "Alles über Elly" kann Alidoosti alles spielen. Meist tut sie dies mit einer angenehmen Zurückhaltung. Wie sie als traumatisiertes Opfer ganz leise ihre moralische Integrität wahrt, anstatt wie ihr Mann lautstark zum Täter zu werden, ist ein starkes Stück Kino.

Wer Farhadis Filme kennt, wird wenig Neues in "The Salesman" entdecken. Das Altbekannte variiert der iranische Regisseur jedoch mit einer Virtuosität, die auch sein jüngstes Werk zu einem meisterhaften macht. Die Bilder sahen in der Vergangenheit zwar schon einmal schöner aus, Farhadis Umgang mit den technischen Mitteln ist dennoch reifer. Seine Kamera schwebt noch häufiger. Sein Bildaufbau ist fein durchkomponiert. Auch mit Vorausdeutungen und Dopplungen arbeitete Farhadi bereits zuvor, in "The Salesman" kommt er bei ihrer Verwendung der Perfektion ein weiteres Stück näher. Arthur Millers "Tod eines Handlungsreisenden", in dem Emad und Rana spielen, spiegelt nicht nur ihre eigene Beziehung, ihre Beziehung beeinflusst auch das Spiel auf der Bühne. Am Ende haben sie ihre Ehe zu Grabe getragen, wie Linda Loman ihren Mann Willy im Stück. Wer in den ersten Minuten genau hinsieht, ahnt das früh.

Fazit: Auch Asghar Farhadis jüngstes Drama erzählt eine Ehekrise spannend wie ein Krimi. "The Salesman" ist zwar nicht Farhadis bestes, aber sein vielschichtigstes und erneut ein in allen Belangen virtuoses Werk.




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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Frankreich, Iran
Jahr: 2016
Genre: Thriller, Drama
Länge: 125 Minuten
Kinostart: 02.02.2017
Regie: Asghar Farhadi
Darsteller: Shahab Hosseini als Emad Etesami, Taraneh Alidoosti als Rana Etesami, Mina Sadati als Sanam
Verleih: Prokino

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