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Fences
Fences
© Paramount Pictures Germany

Kritik: Fences (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Nach "Antwone Fisher" (2002) und "The Great Debaters" (2007) hat Denzel Washington zum dritten Mal bei einem Kinofilm auf dem Regiestuhl Platz genommen und ist erneut in die Hauptrolle geschlüpft. Sein Familien- und Milieudrama "Fences", eine Verfilmung des gleichnamigen Theaterstücks aus dem Jahr 1987, ist überragendes, bis in die Nebenrollen perfekt besetztes Schauspielerkino. An Washingtons Seite brilliert ein weiteres Mal Viola Davis. Die beiden spielten das Ehepaar Troy und Rose Maxson bereits 2010 in einer Neuinszenierung am Boradway.

Washington bleibt dicht am Bühnenstück des Dramatikers August Wilson, der kurz vor seinem Tod 2005 ein Drehbuch dafür verfasst hatte. Wie Wilsons Vorlage kommt auch Washingtons Umsetzung mit wenigen Schauplätzen aus. Der Großteil der Handlung spielt rund um Troy Maxsons Haus: in den Wohnräumen, auf der Straße davor, vor allem aber in dessen Hinterhof. Hier (be)trinkt (sich) Troy mit seinem Kollegen Bono (Stephen Henderson), öffnet sich zum ersten Mal Lyons (Russell Hornsby), seinem Sohn aus erster Ehe, und weist Cory (Jovan Adepo), den gemeinsamen Sohn mit Rose, beim Bau eines Zauns zurecht. Washington erzählt diese Geschichte um harte, unsympathische Väter und gebeutelte, sich nach Zuneigung sehnende Söhne streng linear. Wenn Troy in Erinnerungen schwelgt, verharrt der Film bei ihm, hört ihm zu, anstatt das Erzählte in Rückblenden zu visualisieren.

Trotz dieser geschlossenen Form, der beinahe vollständigen Einheit von Raum, Zeit und Handlung, und trotz der langen Mono- und Dialoge ist "Fences" weit von abgefilmtem Theater entfernt. Washingtons Kamerafrau Charlotte Bruus Christensen setzt die bis ins kleinste Detail perfekten Kulissen im warmen Licht der Abendsonne so lebendig in Szene, dass das Publikum das Gefühl hat, förmlich mit im Hinterhof zu sitzen. Hughes Winbornes Montage, die sanft in die Bewegungen der Figuren schneidet, um während der Gespräche Perspektivwechsel zu ermöglichen, verleiht selbst langen Monologen auf diese Weise etwas zutiefst Filmisches. Zu guter Letzt ist es Washingtons Schauspiel, das die immergleichen Anekdoten seines Troy Maxson niemals langweilig werden lässt, sie ganz im Gegenteil so anschaulich macht, dass die Zuschauer diesen verabscheuenswerten Mann mit all seinen Fehlern und seiner Selbstgefälligkeit ein bisschen besser verstehen. Hier zeigt "Fences" ganz nebenbei den Versuch der Söhne, die Sünden ihrer Väter nicht zu wiederholen und dabei doch nie ganz aus ihrer Haut zu können.

Denzel Washingtons größtes Verdienst als Regisseur ist eben diese Beiläufigkeit, mit der schon August Wilson in seinem Theaterstück Themen wie (das Erbe der) Sklaverei, Rassismus, Gleichstellung und Erziehung verhandelte. Bei aller Direktheit in der Sprache, bleibt "Fences" in seinen Bildern subtil. Wo und wann der Film spielt, erschließt sich dem Publikum erst nach und nach und nur dann, wenn es ganz genau hinsieht. Der Zaun, an dem Troy jahrelang arbeitet und der in seiner Pluralform im Titel anklingt, hat mannigfache Bedeutung. Er steht ebenso für Troys Wunsch, sich vor gesellschaftlichem Wandel zu verschließen wie für Roses Wunsch, ihren Ehemann vor den Versuchungen der Außenwelt zu bewahren. Auf familiärer Ebene symbolisiert der Zaun zudem die emotionale Barriere zwischen Troy und seinen Söhnen, auf gesellschaftlicher die Schranken zwischen Weißen und Afroamerikanern. Am Ende keimt Hoffnung auf, dass Cory diese Schranken privat wie beruflich niederreißen könnte. Zwei Fotos an der Küchenwand und das Wissen um die historische Entwicklung belehren das Publikum jedoch eines Besseren und machen diese Verfilmung eines 30 Jahre alten Theaterstücks, das in den 1950er-Jahren spielt, auch heute noch gesellschaftspolitisch relevant.

Fazit: Denzel Washingtons dritte Regiearbeit bietet überragendes Schauspielerkino, das gleichermaßen von seinen kraftvollen Dialogen wie von seiner subtilen Inszenierung lebt und gesellschaftspolitsche Relevanz besitzt.





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