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Die dunkelste Stunde
Die dunkelste Stunde
© Universal Pictures International

Kritik: Die dunkelste Stunde (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Der 1972 in London geborene Regisseur Joe Wright ("Stolz & Vorurteil", "Abbitte", "Anna Karenina") kann nach seinem Event-Movie-Misserfolg "Pan" (2015) mit "Die dunkelste Stunde" zwar wieder an seine Stärken anknüpfen, indem er nicht auf Bombast, sondern abermals auf Historie setzt – dennoch ist das Biopic über den britischen Staatsmann Winston Churchill (1874-1965) weitaus weniger gelungen als die früheren Werke des Filmemachers. Dies liegt nicht zuletzt daran, dass das Drehbuch von Anthony McCarten sowie die Inszenierung von Wright die Gelegenheit versäumen, Bezüge zur aktuellen Lage des Landes (Stichwort: Brexit) herzustellen und damit mehr als ein beachtlich ausgestattetes Zeitstück zu liefern. Hinzu kommt ein Übermaß an Pathos – insbesondere im letzten Drittel –, das einigen Passagen etwas außerordentlich Biederes verleiht.

In der Darstellung des Protagonisten arbeitet "Die dunkelste Stunde" mit Humor und einer gewissen Freude an der milden Dekonstruktion: Churchill wird als verschroben-polternder Kauz mit zahlreichen Marotten gezeigt; wir sehen ihn unter anderem in einem rosafarbenen Pyjama und Morgenmantel, im Bett, in der Badewanne und auf der Toilette. Neben dieser schrullig-privaten Seite präsentiert uns der Film aber auch den redegewandten Politiker, dessen Volksnähe in einer Sequenz zum Ausdruck gebracht werden soll, in welcher Churchill spontan in die städtische U-Bahn steigt und sich dort mit den Fahrgästen austauscht. Während das Geschehen hier deutlich ins Kitschige abdriftet, wird in anderen Momenten, etwa im Verlauf eines Telefongesprächs zwischen Churchill und dem US-Präsidenten Franklin D. Roosevelt, allein durch Worte eine solide Spannung erzeugt. Ebenso können einige inszenatorische Ideen überzeugen – so zum Beispiel die Art und Weise, wie der Prozess des Schreibmaschinen-Diktats in Bild und Ton umgesetzt wird.

Der Brite Gary Oldman gilt dank seiner Darbietungen in "Sid & Nancy" (1986), "Dracula" (1992) oder "Dame, König, As, Spion" (2011) zu Recht als Ausnahmetalent – und auch in dieser Rolle ist seine Leistung bemerkenswert. Gleichwohl verschwindet er hier (ähnlich wie Anthony Hopkins in "Hitchcock") beinahe hinter dem prothetischen Make-up und Haardesign. Kristin Scott Thomas ("Der englische Patient", "The Party") als Churchills Ehegattin Clementine und Lily James ("Cinderella") als neue Sekretärin Elizabeth spielen gut, bleiben allerdings Randfiguren.

Fazit: Ein handwerklich ansprechend gemachter Film mit einem begabten Hauptdarsteller, der den nötigen Einsatz zeigt. Pathos und Kitsch sowie ein Mangel an Bezügen zur heutigen Situation Großbritanniens schwächen das Biopic jedoch.





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