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Nur Gott kann mich richten
Nur Gott kann mich richten
© Constantin Film / Matthias Bolliger

Kritik: Nur Gott kann mich richten (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Der deutsch-türkische Regisseur Özgür Yildirim und Moritz Bleibtreu drehten 2008 bereits Yildirims Debütwerk "Chiko", ebenfalls ein Gangsterfilm. Seither inszenierte der 38-jährige unter anderem zwei Folgen der Krimi-Reihe TATORT sowie den Action-Thriller "Boy 7" mit David Kross und Emilia Schüle. Mit "Nur Gott kann mich richten" drehte Bleibtreu vergangenes Jahr nach "Lommbock" und "Es war einmal in Deutschland" seine dritte große Kino-Produktion. Gedreht wurde in Frankfurt am Main und Hamburg, unter anderem in der legendären Box-Kneipe "Zur Ritze".

Mit riesigem Jesus-Tattoo auf dem Rücken und als im Glauben verwurzelter Gangster, der von einem besseren Leben abseits jeglicher Kriminalität träumt, liefert Moritz Bleibtreu vermutlich seine stärkste schauspielerische Darbietung seit "Stereo" (2014). Er verleiht seinem tiefgründigen, komplexen Charakter Würde und Stolz, trotz der kriminellen Energie, die nach wie vor in ihm zu schlummern scheint. Er steckt in einem Dilemma. Er will neu anfangen und die Fehler der Vergangenheit hinter sich lassen. Zum Neustart fehlt ihm jedoch das Wichtigste: Geld.

Kriminelle Energie schlummert auch in der jungen Streifenpolizistin Diana, wie sich im weiteren Verlauf zeigt. Sie hat ihre ganz eigenen Kämpfe auszufechten, denn ihrer Tochter bleibt aufgrund eines Herzfehlers nur noch ein Jahr zu leben. Um ihr zu helfen, geht sie zum Äußersten, und ist bereit alles zu tun, was nicht zuletzt Bleibtreus Figur am eigenen Leib erfahren muss. Charakter-Mimin Minichmayr legt ihre Figur als starke, selbstbewusste Frau an, die aufgrund eines privaten Schicksals jedoch die Grenze zur Illegalität überquert.

Das ist ganz typisch für "Nur Gott kann mich richten". Alle Handelnden haben Schuld auf sich geladen und manövrieren sich durch ihr Fehlverhalten - wozu sie aufgrund der Umstände allerdings regelrecht gezwungen werden - quasi selbst ins Aus. Ebenso Rafael, der den Vater seiner Freundin hintergeht. Und noch etwas zeichnet die spannende Mischung aus Gangster-Ballade, Drama, Thriller und Actionfilm aus: das authentisch gezeichnete Milieu in dem die Handlung verortet ist. Geschuldet ist dieser Umstand vor allem den Kulissen, Drehorten und (Original-)Schauplätzen. Orte, an denen die Frankfurter Drogen- und Gangsterszene beheimatet ist: dreckige Spelunken, schäbige Striplokale und verrauchte, heruntergekommene Shisha-Bars.

Fazit: Von hohem Realismus durchzogene, mit einem fabelhaften Cast bestückte Milieu-Studie, die von Schicksal, Gerechtigkeit, Rache und dem Kampf ums individuelle Glück handelt.




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