Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: HERRliche Zeiten (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Oliver Masucci, Katja Riemann und Samuel Finzi – drei der bekanntesten Gesichter aus dem deutschen TV und Kino vereint Regisseur Oskar Roehler in seinem neuesten Film. Der Münchener Filmemacher, Autor und Journalist widmet sich darin der Frage, wie spätrömische Herrschaftsverhältnisse (Herrscher/Sklave) in der Neuzeit beziehungswese Moderne aussehen würden. Das Werk basiert auf dem Skandal-Roman "Subs" des Frankfurter Schriftstellers Thor Kunkel, der 2011 erschien. "HERRliche Zeiten" ist nicht die erste Literaturverfilmung für Roehler, der bereits mit Adaptionen wie "Elementarteilchen" (2005) sowie "Tod den Hippies" (2015) Erfolge erzielen konnte.

Dem Provokateur vom Dienst, Oskar Roehler, ist mit seiner derben, entlarvenden Gesellschafts-Groteske über menschliche Unterwürfigkeit und Dekadenz-Sucht ein unterhaltsamer und herrlich überzogener, reißerischer Film gelungen. Roehler prangert mit seinem Film die drastischen Gegensätze zwischen "armen" und "reichen" Menschen sowie deren unterschiedliche Lebensrealitäten an. Ein Thema, das quer durch die Gesellschaft im Zuge der Flüchtlingskrise nochmals an Brisanz und Schärfe gewonnen hat.

Auf der seinen Seite die – aus Sicht der Flüchtlinge – im Luxus schwelgenden, dekadenten Deutschen. Auf der anderen Seite die schwer schuftenden ausländischen Tagelöhner, die um jeden Euro betteln müssen. Jene sind auch Bestandteil von "HERRliche Zeiten", wenn die Müller-Todts nämlich auch noch eine Horde Bulgaren anheuern, um sich von ihnen – für zwei Euro Stundenlohn – einen Pool bauen zu lassen. Roehler ist natürlich ein Meister im Überzeichnen und Übertreiben.

Genau dieser Lust am Provozieren frönt Roehler hier wieder einmal mit Genuss. So zum Beispiel wenn sich der Nachbar der Müller-Todts, ein schwerreicher Ölscheich, als ehemaliger Saddam-Anhänger erweist – inklusive Folterkammer in der Luxusbehausung. Oder wenn sich alle Beteiligten in einer an Vergnügungssucht und rauschhaftem Exzess nicht zu überbietenden Hausparty den lasterhaften Dingen des Lebens hingeben: Der Fleischeslust, sündhaft teuren Speisen und erlesenstem Wein. "Das große Fressen" lässt grüßen.

Das alles bereitet beim Betrachten große Freude, auch weil Roehler seine Figuren als peinliche Karikaturen anlegt. Und sie damit der Lächerlichkeit preisgibt. Etwa Claus, den man trotz seiner gesellschaftlichen Stellung als hoch bezahlter, erfolgreicher Arzt einfach nicht ernst nehmen kann. Die Gründe: Seine Blauäugig- und Ungeschicklichkeit sowie der rheinische Dialekt. Und zuletzt bereitet es beim Zuschauen diebische Freude, all die illustren Stars in ihren schrägen Gastrollen zu entdecken. Unter ihnen Katy Karrenbauer, Andrea Sawatzki und Alexander Beyer.

Fazit: Schräge, bewusst überzeichnete und hemmungslos provozierende Groteske mit illustrem Star-Ensemble.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.