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Loving Vincent
Loving Vincent
© Weltkino Filmverleih / Loving Vincent Sp.z.o.o. & Loving Vincent Ltd.

Kritik: Loving Vincent (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"Loving Vincent" gilt als der erste vollständig gemalte Animationsfilm in Spielfilmlänge. Machart und Aufwand sind beeindruckend: zuerst wurde der Film mit echten Darstellern vor Green Screen gedreht, anschließend die Filmbilder in einzelne Ölgemälde verwandelt bzw. übersetzt – im Stil der Werke van Goghs. Über 65 000 Einzelbilder wurden auf diese Weise über viele Jahre erschaffen und am Ende in mühevoller Kleinarbeit zu einem zusammenhängenden, filmischen Werk aneinandergereiht. Bei der Entwicklung der Geschichte, dienten die über 800 erhaltenen Briefe, die van Gogh im Laufe seines Lebens an Bekannte und Freunde schrieb, als Inspiration. Regie führten Dorota Kobiela, eine polnische Malerin und ihr Ehemann Hugh Welchman, ein britischer Filmproduzent.

Der Kritiker einer bekannten deutschen TV-Zeitschrift schrieb über "Loving Vincent", dass es sich bei ihm um den "schönsten Film aller Zeiten" handle. Rein optisch betrachtet, muss man klar anerkennen: "Loving Vincent" ist ein Gesamtkunstwerk, mit dem die beiden Regisseure Kobiela und Welchman dem Maler ein filmisches Denkmal in betörend schönen, kunstvollen Bildern setzen. Liebhaber Van Goghs, kommen an diesem Film nicht vorbei, denn durch ihn können sie quasi in die vollendeten Werke des Meisters eintauchen und die Welt mit seinen Augen sehen.

Das Besondere: in "Loving Vincent" sind viele bekannte Werke, Figuren und (Natur-) Motive, die van Gogh tatsächlich gezeichnet hat, hineingearbeitet. Wer sich also ein bisschen mit seinen Bildern auskennt, dem wird hier vieles bekannt vorkommen: z.B. die Tochter seines Psychiaters, Marguerite Gachet. Sie ist berühmt geworden durch van Goghs Meisterwerk "Marguerite Gachet in the Garden" (1890) und sie spielt im Film eine nicht unbedeutende Rolle. Darüber hinaus lebt das Werk natürlich von seiner Farbenpracht, wie sie auch so typisch war für die Bilder van Goghs: reine, kräftige Farben voller Symbolgehalt ziehen den Zuschauer in seinen Bann und mitten Hinein die bunten, schildernden Welten.

In Welten und Szenerien, die zudem in ständiger Bewegung sind. Hier unterscheidet sich die Animationsart z.B. stark vom klassischen Zeichentrickfilm, bei dem die Hintergründe meist starr bleiben. In "Loving Vincent" hingegen ist in jeder Szene alles immer in Bewegung: die Schiffe auf dem Fluss, die Wolken am Himmel, die Personen, die hinter der Hauptfigur Armand im Café sitzen. Das ist ein geschickter Schachzug, wird auf diese Weise doch van Goghs Arbeits- und Malweise unterstrichen: er war ein zügiger, fleißiger Maler, immer in Bewegung und rastlos. Und seine Bilder stehen bis heute für Lebendigkeit, Intensität und Vitalität. Klug ist auch, die Rückblenden in van Goghs Vergangenheit, visuell vom Rest abzuheben: in Form plastischer, fotorealistischer Schwarz-Weiß-Animationen.

Dass die Story des Films nicht allzu mitreißend und spannend ist, geschenkt. Und auch dass man nicht allzu viel Neues über van Goghs Leben erfährt und die Versuche, seinen Tod zu ergründen, nichts weiter als Verschwörungstheorien sind.

Fazit: Die Stars des Films sind hier die Umsetzung und die einmalige Optik, die dem Malstil des großen Begründers der modernen Malerei, Eins-zu-Eins nachempfunden wurde. Bei "Loving Vincent" spielen Handlung, Dramaturgie und die Figuren, ausnahmsweise mal nur eine untergeordnete Rolle.




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