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Score - Eine Geschichte der Filmmusik
Score - Eine Geschichte der Filmmusik
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Kritik: Score - Eine Geschichte der Filmmusik (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Selbst Puristen, die Filmmusik kategorisch ablehnen, kommen nicht an ihr vorbei. Schließlich werden bereits die Logos der meisten Studios, die vor dem eigentlichen Film zu sehen sind, mit Musik untermalt. Die wohl berühmteste davon, Alfred Newmans Fanfare für 20th Century Fox, dürfte allein durch ihre Erwähnung fast jedem im Ohr klingen, der schon einmal ein Kino besucht hat. Ähnlich vertraut sind die Melodien zu Reihen wie "James Bond", "Mission Impossible", "Indiana Jones" oder "Star Wars". Wie Mozarts "Königin der Nacht", Beethovens "5. Sinfonie" oder Songs der Beatles sind diese Stücke längst fest ins (pop-)kulturelle Gedächtnis eingeschrieben.

Wenn Matt Schrader recht früh in seinem Film die ersten Trompetentöne von Bill Contis Titelmelodie zu "Rocky" (1979) anspielt und Sylvester Stallone dazu die Stufen des Philadelphia Museum of Art erklimmt, hat er sein Publikum sogleich emotional eingefangen. Dass der Regisseur auch die zur Musik passenden Szenen zeigen kann, ist ein großes Plus seiner Dokumentation. Auf diese Weise macht Schrader auch Laien das Zusammenspiel von Bild und Ton deutlich, etwa wenn er die berühmte Duschszene aus Alfred Hitchcocks "Pycho" (1960) mal mit, mal ohne Bernard Herrmanns schrille Streicher vorführt. Auch die Gespräche mit Komponisten und Studiomusikern, Arrangeuren und Toningenieuren, Historikern und Wissenschaftlern sind aufschlussreich und fördern manche Kuriosität zutage. Vor allem aber verdeutlichen sie, wie viel Arbeit und Zeit in einer gelungenen Filmmusik steckt.

Die große Schwäche von Matt Schraders Regiedebüt ist denn auch nicht die Fülle an Informationen, sondern deren Vermittlung. Schrader findet kaum einmal die richtige Gewichtung, geschweige denn ein vernünftiges Tempo. Nach einem unübersichtlichen Zusammenschnitt, in dem unzählige Interviewpartner die Funktion und Bedeutung von Filmmusik in aller Kürze anreißen, spult Schrader zurück zu den Anfängen des Mediums. Doch auch dieser historische Abriss ist viel zu gehetzt. Spannende Kapitel wie etwa die Musik der vor dem Naziregime geflüchteten Emigranten von Erich Wolfgang Korngold ("Robin Hood") bis Miklós Rózsa ("Ben Hur") kommen gar nicht, Größen wie Henry Mancini ("Der rosarote Panther", "Frühstück bei Tiffany"), Ennio Morricone ("Spiel mir das Lied vom Tod", "The Hateful Eight") oder der bereits erwähnte Bernard Herrmann kommen nur am Rande vor.

Der Untertitel – im Deutschen wie im englischen Original – ist ernst zu nehmen. Matt Schrader erzählt mit "Score" eben nicht "die", sondern nur "eine", zwar um Objektivität bemühte, letztlich aber sehr subjektive Geschichte der Filmmusik. Zum einen konzentriert sich Schrader fast ausschließlich auf Kompositionen des US-Markts, zum anderen verstärkt auf die Epoche nach John Williams legendärem Soundtrack zum "Weißen Hai" (1975). Auch Kritik, wie sie angesichts überladen anmutender Tonspuren etwa eines Hans Zimmer immer wieder aufkommt, ist Schrader fremd. "Score" ist eine Hymne auf die Profession der Filmkomponisten, die man definitiv in einem Kino mit einem guten Soundsystem sehen sollte.

Fazit: In seinem Regiedebüt bietet Matt Schrader einen aufschlussreichen, emotional mitreißenden, aber viel zu hastigen und etwas strukturlosen Parforceritt durch eine (mögliche) Geschichte der Filmmusik. Wer sich für die großen Komponisten Hollywoods begeistern kann, sollte bei der Wahl des Kinos unbedingt auf ein gutes Soundsystem achten.




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