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Im Zweifel glücklich
Im Zweifel glücklich
© 2017 Amazon Studios LLC and Kimmel Distribution LLC

Kritik: Im Zweifel glücklich (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Ben Stiller kennt man bevorzugt aus Komödien. Doch gerade in letzter Zeit taucht der in New York geborene Schauspieler vermehrt in nachdenklichen Rollen auf. Schon in "Das erstaunliche Leben des Walter Mitty" und "Gefühlt Mitte Zwanzig" spielte er Figuren mit einem handfesten Midlife-Crisis-Touch, der in seinem neuen Film, der Tragikomödie "Im Zweifel glücklich", nun auf die Spitze getrieben wird.

Der von Stiller verkörperte Brad Sloan entpuppt sich schon in den ersten Szenen als notorischer Grübler und von Neid zerfressener Mittelklassevertreter. Ständig malt er sich das berauschend-schöne Leben seiner Studienfreunde aus, die sich – das scheint der Blick auf ihre Social-Media-Profile zu belegen – unbeschwert und selbstzufrieden durch den Alltag treiben lassen. Der in einer beschaulichen Gegend von Sacramento wohnende Brad, der eine Non-Profit-Organisation gegründet hat, fühlt sich dagegen mehr und mehr wie ein Versager und entwickelt mitunter absurde soziale Abstiegsängste.

Der Protagonist, den Regisseur und Drehbuchautor Mike White seinem Publikum vorsetzt, ist ein komplizierter, nicht übermäßig sympathischer Zeitgenosse, was nicht per se schlecht sein muss. Gerade schwierige Hauptfiguren, die zunächst einen Abwehrreflex auslösen, können mit der Zeit hochgradig spannend und faszinierend sein. In diesem Fall will sich ein Verständnis für die Überlegungen Brads während einer Reise mit seinem Sohn Troy (Austin Abrams) allerdings nur bedingt einstellen. Zu oft kommt der Film nicht vom Fleck. Zu banal wirken manche der kontinuierlich eingewobenen Voice-over-Erklärungen des geradezu neurotischen Zweiflers. Und zu plakativ ist die Zeichnung der angeblich so glücklichen Studienfreunde, hinter deren Fassade, wie sich später zeigt, natürlich auch Probleme und Abgründe lauern.

Brads Sinnieren, seine albernen Wohlstandsfantasien und Zukunftsträume wirken auf Dauer etwas anstrengend. Ungefähr zur Hälfte gibt es einen Moment, in dem eine Studentin (Shazi Raja) die arg selbstmitleidige Haltung des Endvierzigers schonungslos anspricht. Leider hinterlässt dieses Gespräch keine sonderlich große Wirkung. Vielmehr steigert sich Brad auch weiterhin in seine Luxussorgen hinein. Erst auf der Zielgeraden kommt es zu einem überhasteten Umdenken, das ein wenig nach typischer Hollywood-Hauruck-Dramaturgie riecht.

Ben Stiller macht als hadernder Mann mit angegrauten Schläfen und einem oftmals leeren Blick eine überzeugende Figur und fabriziert mit seinem jungen Kollegen Austin Abrams einige leise, emotional berührende Szenen. Vielleicht hätte es dem zuweilen etwas zähen Film einfach gutgetan, wenn Troy noch öfters als Gegengewicht zu seinem eigenwilligen Vater in Stellung gebracht worden wäre.

Fazit: Tragikomödie mit reizvoller Prämisse, die die Unzufriedenheit ihres Protagonisten allerdings etwas ermüdend vorträgt.




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