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Das Leuchten der Erinnerung (2017)

The Leisure Seeker

Roadmovie über ein altes Ehepaar, das sich mit seinem Wohnmobil auf eine letzte USA-Reise entlang der Ostküste begibt.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3.1 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 13 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Ella (Helen Mirren) und John (Donald Sutherland) haben sich in Wellesley bei Boston in ihr altes Wohnmobil gesetzt und sind losgefahren, Richtung Florida. Dort, in Key West, wollen sie das Haus von Ernest Hemingway besichtigen. Hemingway ist der Schriftsteller, den der frühere Englischlehrer John am meisten schätzt. Der wahre Grund für ihre Reise aber ist, dass ihr gemeinsamer Lebensweg zu Ende geht. Ella hat Krebs und wird nicht mehr lange leben. John leidet unter Demenz – von einem Augenblick auf den anderen vergisst er, wo er ist. Auch weiß er plötzlich nicht mehr, wer die Frau an seiner Seite ist, an die er sich aber kurz darauf wieder erinnert.

Aber John kann noch gut Auto fahren und so fühlt sich das Paar unterwegs auch wieder jung, so wie damals in den 1970ern, als es mit den Kindern in diesem Wohnmobil in den Urlaub fuhr. Ella muss nur aufpassen, dass Johns Probleme nicht auffallen, zum Beispiel als die Polizei sie unterwegs anhält. Und sie muss die beiden erwachsenen Kinder am Telefon beruhigen, die besorgt die sofortige Heimkehr verlangen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Der erste englischsprachige Film des italienischen Regisseurs Paolo Virzì ("Die Überglücklichen") ist ein Roadmovie, das auf dem gleichnamigen Roman von Michael Zadoorian basiert. Mit ihm begibt sich Virzì auf eine nostalgische Suche nach dem amerikanischen Geist von Freiheit und Abenteuer und porträtiert zugleich sehr stimmig ein altes Ehepaar, das seinem Schicksal noch ein letztes Schnippchen schlagen will. Donald Sutherland und Helen Mirren spielen dieses Paar, das zwischen Liebe und häufigen Differenzen hin- und herpendelt, berührend und sehr glaubhaft. Dabei fällt an Virzìs Roadmovie auch stets der Realismus auf, der lieber zu wenig als zu viel Drama und pralle Emotionen präsentiert.

Die Fahrt von Ella und John im alten Wohnmobil Richtung Süden wirkt manchmal so normal, oder gar banal, wie eine x-beliebige Urlaubsreise aus dem realen Leben. Sie hören im Auto die Rock'n'Roll-Musik der 1970er, singen mit bei Janis Joplins "Me and Bobby McGee", steuern abends einen Campingplatz an, sitzen unter freiem Himmel und schauen sich die alten Dias an aus der Zeit, als sie jung und die Kinder noch klein waren. Diese so selbstverständlich anmutende Unternehmung aber ist von der energischen Ella hart erkämpft. Ihre Kinder hätten die Reise verhindern wollen, und unterwegs soll auch niemand merken, dass John Alzheimer hat und trotzdem am Steuer sitzt. Ella und John tun gut daran, der Gesellschaft zu misstrauen.

Ella sträubt sich vehement dagegen, Johns Demenz zu akzeptieren, und er fühlt sich schuldig, wenn seine Vergesslichkeit sie so verärgert. Donald Sutherland spielt den charmanten Schöngeist, den verschusselten Luftikus und den Mann, der weiß, wie sehr er mittlerweile auf seine geliebte Frau angewiesen ist, in fließendem Wechsel. Helen Mirren gibt Ella eine gute Portion Aggressivität und Frustriertheit, hinter der sich aber nur wieder die Liebe zu John zurückmeldet.

Virzì scheint eine Schwäche für Brücken zu haben, jedenfalls fährt das Wohnmobil auffallend oft über welche. Statt nach spektakulären Postkartenmotiven sieht sich der Film unterwegs aber lieber nach Gegenwartsphänomenen um. So schließt sich John spontan einer Wahl-Kundgebung von Trump-Anhängern an, bis Ella ihn wieder wegzieht, weil ihr John, der frühere, da nicht hingehört. Mirren und Sutherland geben diesem Paar, das sich gegen den drohenden Autonomieverlust aufbäumt, eine wunderbar tröstliche Strahlkraft.

Fazit: Paolo Virzìs amerikanisches Roadmovie huldigt dem genretypischen Geist von Freiheit und Rebellion aus der Perspektive eines alten Ehepaars, das dem Krankenhaus, der Pflegebedürftigkeit und drohenden Trennung mal eben davonläuft. Realitätsnah und bewegend schildert der Film, wie das Paar, das von Helen Mirren und Donald Sutherland hervorragend gespielt wird, mit der Demenz des Mannes hadert und die Krise gemeinsam zu meistern versucht. Dabei beeindruckt vor allem der genaue Blick sowohl auf die Probleme, als auch auf die Stärken des Paares.




FBW-BewertungJurybegründung anzeigen

FBW: besonders wertvoll60 Jahre sind sie nun schon zusammen? Ella und John. So lange, dass eines felsenfest steht: Ohne den Anderen ist ein Leben unmöglich. Still und ohne die erwachsenen Kinder zu informieren; erfüllen sie sich einen letzten Traum von einer gemeinsamen [...mehr]

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Filminfos & CreditsAlles anzeigen

Land: Italien, Frankreich
Jahr: 2017
Länge: 112 Minuten
Kinostart: 04.01.2018
Regie: Paolo Virzì
Darsteller: Helen Mirren als Ella, Donald Sutherland als John, Kirsty Mitchell als Jennifer Ward
Verleih: Concorde

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