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Kritik: Wonder Wheel (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Zu Beginn von "Wonder Wheel" erklärt der ambitionierte Literaturstudent Mickey, der als Erzähler durch die Geschichte des Films führt, er wolle ein Meisterwerk schaffen, welches die Leute überrasche. Ein solches ist dem Regisseur und Drehbuchautor Woody Allen mit seiner neuen Arbeit gewiss nicht gelungen. Die inhaltlichen und inszenatorischen Versatzstücke sind weitgehend bekannt – bemerkenswert sind, wie etwa bereits in Allens "Match Point" (2005) oder "Blue Jasmine" (2013), indes die schauspielerischen Leistungen sowie die Bildgestaltung von Vittorio Storaro ("Apocalypse Now"), der auch schon für Allens Vorgängerwerk "Café Society" die Kamera führte.

Storaro fängt das "ramschige Märchenland" (wie die Protagonistin Ginny ihren Wohnort Coney Island an einer Stelle des Films nennt) mit dem Strand, den Promenaden, den Fahrgeschäften und den oft schäbigen Buden farbenprächtig ein und taucht viele Szenen äußerst stilvoll in ein artifizielles Licht. Die Mise en Scène in den Dialogpassagen hat hingegen etwas sehr Theaterhaftes; obendrein werden recht oberflächliche Bezüge zu William Shakespeare oder Eugene O'Neill hergestellt. Das Spiel mit komischen und tragischen Mustern sowie mit Geschlechterklischees wirkt – ebenso wie die Untermalung der Aufnahmen mit alten Jazz-Klängen und die betont auf Nostalgie abzielende Ausstattung – allzu routiniert; auch die Methode, eine Figur direkt in die Kamera zum Kino-Publikum sprechen zu lassen, ist nichts Neues – so nutzte Allen dieses Mittel etwa schon in "Anything Else" (2003), in welchem der Sprecher ebenfalls ein Möchtegern-Schriftsteller war.

Überzeugen kann abermals das Ensemble. Als Ex-Theaterstar und jetzige Muschelbuden-Kellnerin, deren Nerven ständig blank liegen, geht Kate Winslet in einer Mischung aus Blanche DuBois und Norma Desmond in die Vollen; ihre männlichen Leinwandpartner Jim Belushi und Justin Timberlake agieren solide. Einnehmend ist die Interpretation von Juno Temple ("Kaboom", "The Dark Knight Rises"), die ihrer Figur der jungen Ausreißerin die nötige Würde verleiht.

Fazit: Der von Kameramann Vittorio Storaro erfasste Schauplatz sowie das Spiel von Kate Winslet und Juno Temple sind sehenswert; der Rest bleibt Routine.




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