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1000 Arten, Regen zu beschreiben
1000 Arten, Regen zu beschreiben
© Film Kino Text

Kritik: 1000 Arten, Regen zu beschreiben (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

"1000 Arten Regen zu beschreiben" ist das Langfilmdebüt der 1978 geborenen Regisseurin Isabel Prahl; das Drehbuch verfasste Karin Kaci. Das Werk erzählt mit erstaunlicher Konsequenz vom Prozess des Loslassens innerhalb einer Familie: Zwar ist der 18-jährige Sohn beziehungsweise Bruder physisch noch im Familienhaus präsent, jedoch hat er sich gänzlich in sein Zimmer zurückgezogen. Jenes Phänomen, für das es in Japan den Begriff "Hikikomori" gibt, wird im Laufe der Handlung nicht erklärt – es geht nicht darum, die Gründe für die Weltflucht und Isolation des Teenagers aufzuzeigen und eine Problemlösung anzubieten, sondern vielmehr darum, spürbar zu machen, was dieser Zustand bei den Angehörigen auslöst.

Mit ihrem Kameramann Andreas Köhler kreiert Prahl im zentralen Familienhaus durch eng wirkende Räume eine bedrückende, klaustrophobische Atmosphäre. Während der adoleszente Mike seine Situation des Eingeschlossenseins bewusst gewählt hat, muten sein Vater Thomas, seine Mutter Susanne und seine jüngere Schwester Miri oft wie unfreiwillige Gefangene an. Die einzelnen Stränge, in denen wir erleben, wie die drei Figuren mit der schwierigen Lage umgehen, haben alle ihren Reiz und ergeben das Bild einer auseinanderbrechenden Familie, die eine harte Entscheidung treffen muss, um nicht völlig zerstört zu werden. Bis zur starken Schlusssequenz wird dies mit Feingefühl geschildert.

Neben der eindringlichen, gekonnt eingesetzten Musik des Komponisten Volker Bertelmann aka Hauschka sind auch die schauspielerischen Leistungen höchst bemerkenswert. Bjarne Mädel ("Der Tatortreiniger") beweist nach seiner herausragenden Arbeit in "24 Wochen" abermals sein Talent im ernsthaften Fach: Als Vater und Ehemann macht er die zunehmende Verzweiflung und Überforderung seiner Figur begreiflich; ebenso überzeugt Bibiana Beglau ("3° kälter") mit ihrer sensiblen Verkörperung der Mutter. Als heimlicher Star des Films erweist sich allerdings die junge Emma Bading ("Lucky Loser – Ein Sommer in der Bredouille"), die als Tochter eine fulminante Coming-of-Age-Performance liefert, in welcher sich die ganze Launenhaftigkeit, die ungeheure Dramatik und stürmische Leidenschaft des Heranwachsens nachvollziehen lässt.

Fazit: Ein klug erzähltes Familiendrama, das genau beobachtet, statt simple Antworten zu geben. Großartig gespielt!




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