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3 Tage in Quiberon
3 Tage in Quiberon
© Prokino © 20th Century Fox

Kritik: 3 Tage in Quiberon (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Die Regisseurin und Drehbuchautorin Emily Atef vertieft sich mit diesem Psychodrama in eine kurze Episode aus dem Leben der großen Schauspielerin Romy Schneider. 1981, ein Jahr bevor sie im Alter von nur 43 Jahren sterben sollte, befand sich Romy Schneider in einer persönlichen Krise. Nach mehreren gescheiterten Beziehungen bedrückten sie ein Gefühl der Verlorenheit, finanzielle Probleme, der Schmerz, zu wenig Zeit für ihre Kinder zu haben. Sie hatte, während sie längst eine der begehrtesten Schauspielerinnen in Frankreich geworden war, den Eindruck, aus dem Hamsterrad ständiger Filmdrehs nicht mehr aussteigen zu können. In dieser labilen Situation, ausgerechnet während eines Kuraufenthalts, gab sie dem "Stern" ein Interview, das einem Seelen-Striptease glich.

Das Drama imaginiert aufgrund der bekannten Fakten, wie sich das Aufeinandertreffen der vier beteiligten Personen abgespielt haben mochte. Die Geschichte verdichtet sich rasch zum aufwühlenden Psychogramm einer Frau, die sich verzweifelt nach Ruhe und Geborgenheit sehnt, während ihre Umgebung sie vor allem als den großen Star wahrnimmt.

Romy Schneider, die von Marie Bäumer großartig gespielt wird, kämpft darum, hinter ihrem Ruhm und ihrem professionellen Funktionieren nicht völlig zu verschwinden und sich ein Stück privater Identität zu bewahren. Sie ist unruhig, impulsiv, kann nicht schlafen, hat Angst – und gibt sich immer wieder rückhaltlos dem Moment hin, den oft übergriffigen und anklagenden Fragen des Reporters, aber auch der gelösten Feierlaune einer Nacht im Lokal.

Auch die anderen Darsteller, allen voran Robert Gwisdek als arroganter, selbstgerechter Reporter, beeindrucken in diesem intensiven Kammerspiel. Romy Schneiders Haltlosigkeit und Emotionalität polarisieren, gerade auch weil ihre offene, herzliche, quicklebendige Art den Betrachter so gründlich aus der Reserve holt. Der Unterton des in stilvollem Schwarz-Weiß gedrehten Films ist tragisch, aber es mischt sich ein Hoffnungsschimmer hinein. Denn mit dieser konfliktreichen, teilweise intimen Nähe einer Gemeinschaft auf Zeit befreit sich Romy Schneider offensiv aus ihrer Einsamkeit. Mit Abstinenz hat diese Kur nichts mehr zu tun, aber sie bleibt nicht wirkungslos.

Fazit: Die Regisseurin und Drehbuchautorin Emily Atef vertieft sich fiktional interpretierend und dabei sehr überzeugend in die Situation, in der die Schauspielerin Romy Schneider 1981 dem "Stern" ein aussagekräftiges Interview gab. Marie Bäumer stellt den Star ein knappes Jahr vor seinem Tod als Nervenbündel dar, als eine viel beschäftigte und gefragte Künstlerin, die privat nicht mehr zur Ruhe kommt. Die Begegnung mit dem Reporter, dem Fotografen und einer Jugendfreundin ist geprägt vom Ringen Romy Schneiders um Selbstbestimmung und menschliche Nähe. Dieses intensive, hervorragend gespielte Psychodrama bietet großes Kino in stilvollem Schwarz-Weiß.




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