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Wer hat eigentlich die Liebe erfunden? (2017)

Deutsche Tragikomödie über das Alter und die Liebe, das Leben und den Tod.Kritiker-Film-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5
User-Film-Bewertung [?]: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4.3 / 5

Filmsterne von 1 bis 5 dürfen vergeben werden, wobei 1 die schlechteste und 5 die beste mögliche Bewertung ist. Es haben insgesamt 8 Besucher eine Bewertung abgegeben.


Charlotte (Corinna Harfouch) und Paul (Karl Kranzkowski) sind seit 37 Jahren, fünf Monaten und 21 Tagen verheiratet, und so langsam ist die Luft raus. Um ihre Beziehung aufzufrischen und das Verhältnis zu ihrer alleinerziehenden Tochter Alex (Meret Becker) und Enkelin Jo (Annalee Ranft) zu verbessern, schenkt Charlotte Jo zu deren 11. Geburtstag eine Reise für die gesamte Familie auf eine einsame Insel. Der Weg dorthin ist schwerer als gedacht. Nachdem Charlotte Paul einfach an einer Raststätte sitzen lässt und Alex ihren Führerschein verliert, sind Vater und Tochter auf die Hilfe der Lastwagenfahrerin Marion (Sabine Timoteo) angewiesen. Endlich am Ziel angekommen, tun sich unerwartete Perspektiven auf, die nicht unerheblich mit dem depressiven Hotelbesitzer Horster (Bruno Cathomas) zusammenhängen.

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Filmkritikunterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse4 / 5

Seit "Das brandneue Testament" (2015) wissen wir, dass Gott als kleinkarierter Miesepeter in einem schäbigen Appartement in Brüssel haust und die Gesichtszüge von Benoît Poelvoorde trägt. In Kerstin Poltes Regiedebüt lebt er auf einer einsamen Insel, heißt Horster (Bruno Cathomas) und sieht eigentlich ganz knuffig aus. Weil kein Mensch mehr an ihn glauben mag, bekommt er eine schwere Depression.

Klingt komisch? Ist auch so. Statt die übliche biografische Soße anzurühren, kocht Kerstin Polte in ihrem Erstling, für den sie auch das Drehbuch schrieb, ein wundersames, herrlich abgedrehtes Süppchen mit einer ordentlichen Prise Surrealismus und Magischem Realismus. Gleich zu Beginn führt Gott als Erzähler ins Geschehen ein. Fortan mischen sich in die Geschichte einer im Alltagstrott stecken gebliebenen Familie nach und nach unerklärliche, traumhafte Elemente. Wie Poltes Humor geht das ganz ruhig und fein ziseliert, aber von Hannes Gwisdeks, Meret Beckers und Käptn Pengs Musik flott vorangetrieben, vonstatten.

Für die Verschränkung von Realität und Traumgebilden findet Polte außergewöhnliche Bilder, etwa sich mit Charlotte (Corinna Harfouch) auch der Raum dreht, wenn ihr Leben aus den Fugen gerät, wenn die Familie ihre Jüngste im Bunde, die 11-jährige Jo (Annalee Ranft), nachts am Strand mit Steh- und Schreibtischlampen sucht oder wenn Alex (Meret Becker) mit weißem Schirm durch ein goldgelbes Kornfeld schreitet. An die Größen der Stilrichtungen wie Fellini, Jodorowsky oder Kusturica reichen Anina Gmuers Bilder allerdings nicht heran.

Neben der skurrilen Geschichte, die wiederholt die Richtung wechselt, ist das Ensemble das große Plus. Corinna Harfouch und Meret Becker könnten tatsächlich Mutter und Tochter sein. Annalee Ranft ist als aufmüpfige Enkelin ganz hervorragend. Und die Anziehungskraft, die vom ersten Blickkontakt an zwischen Alex und Marion herrscht, machen Becker und Sabine Timoteo sofort greifbar. Wie Kerstin Polte das alles zusammenfügt und daraus ein tragikomisches, aber stets lebensbejahendes Roadmovie über das Leben und Sterben, über Enden und Neuanfänge macht, ist ein Versprechen für die Zukunft.

Fazit: Kerstin Poltes Regiedebüt wechselt mühelos zwischen Realismus und Fantasie, zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtfüßigkeit. Ihre Geschichte über eine im Alltagstrott feststeckende Familie verhandelt die ganz großen Lebens- und Glaubensfragen originell und berührend, ohne rührselig zu sein. Ein großes Versprechen für die Zukunft.




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Land: Deutschland
Jahr: 2017
Genre: Komödie
Länge: 90 Minuten
Kinostart: 03.05.2018
Regie: Kerstin Polte
Darsteller: Corinna Harfouch, Meret Becker, Sabine Timoteo
Verleih: Alamode Film

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