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Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?
Wer hat eigentlich die Liebe erfunden?
© Alamode Film

Kritik: Wer hat eigentlich die Liebe erfunden? (2017)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Seit "Das brandneue Testament" (2015) wissen wir, dass Gott als kleinkarierter Miesepeter in einem schäbigen Appartement in Brüssel haust und die Gesichtszüge von Benoît Poelvoorde trägt. In Kerstin Poltes Regiedebüt lebt er auf einer einsamen Insel, heißt Horster (Bruno Cathomas) und sieht eigentlich ganz knuffig aus. Weil kein Mensch mehr an ihn glauben mag, bekommt er eine schwere Depression.

Klingt komisch? Ist auch so. Statt die übliche biografische Soße anzurühren, kocht Kerstin Polte in ihrem Erstling, für den sie auch das Drehbuch schrieb, ein wundersames, herrlich abgedrehtes Süppchen mit einer ordentlichen Prise Surrealismus und Magischem Realismus. Gleich zu Beginn führt Gott als Erzähler ins Geschehen ein. Fortan mischen sich in die Geschichte einer im Alltagstrott stecken gebliebenen Familie nach und nach unerklärliche, traumhafte Elemente. Wie Poltes Humor geht das ganz ruhig und fein ziseliert, aber von Hannes Gwisdeks, Meret Beckers und Käptn Pengs Musik flott vorangetrieben, vonstatten.

Für die Verschränkung von Realität und Traumgebilden findet Polte außergewöhnliche Bilder, etwa sich mit Charlotte (Corinna Harfouch) auch der Raum dreht, wenn ihr Leben aus den Fugen gerät, wenn die Familie ihre Jüngste im Bunde, die 11-jährige Jo (Annalee Ranft), nachts am Strand mit Steh- und Schreibtischlampen sucht oder wenn Alex (Meret Becker) mit weißem Schirm durch ein goldgelbes Kornfeld schreitet. An die Größen der Stilrichtungen wie Fellini, Jodorowsky oder Kusturica reichen Anina Gmuers Bilder allerdings nicht heran.

Neben der skurrilen Geschichte, die wiederholt die Richtung wechselt, ist das Ensemble das große Plus. Corinna Harfouch und Meret Becker könnten tatsächlich Mutter und Tochter sein. Annalee Ranft ist als aufmüpfige Enkelin ganz hervorragend. Und die Anziehungskraft, die vom ersten Blickkontakt an zwischen Alex und Marion herrscht, machen Becker und Sabine Timoteo sofort greifbar. Wie Kerstin Polte das alles zusammenfügt und daraus ein tragikomisches, aber stets lebensbejahendes Roadmovie über das Leben und Sterben, über Enden und Neuanfänge macht, ist ein Versprechen für die Zukunft.

Fazit: Kerstin Poltes Regiedebüt wechselt mühelos zwischen Realismus und Fantasie, zwischen Ernsthaftigkeit und Leichtfüßigkeit. Ihre Geschichte über eine im Alltagstrott feststeckende Familie verhandelt die ganz großen Lebens- und Glaubensfragen originell und berührend, ohne rührselig zu sein. Ein großes Versprechen für die Zukunft.




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