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Kritik: Freddy/Eddy (2016)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Selbst ist die Frau! Da sich kein deutscher Verleiher dazu durchringen konnte, ihren Psychothriller "Freddy/Eddy" hierzulande auf die Leinwände zu bringen, gründete die Regisseurin und Drehbuchautorin Tini Tüllmann kurzerhand eine eigene Firma, um ihr Werk in den Kinos zu platzieren. Ein beachtlicher Kraftakt, den beileibe nicht jeder junge Filmemacher auf sich nehmen würde. Zu wünschen wäre der Spielfilmdebütantin, dass sich ihr Mut am Ende auszahlt, zumal ihr auf diversen Festivals mit Preisen bedachter Doppelgänger-Schocker handwerkliches Geschick erkennen lässt und mit einem starken Hauptdarsteller aufwartet.

Im Zentrum des unheilvollen Geschehens steht der einst erfolgreiche Maler Freddy (Felix Schäfer), für den es steil bergab geht, als er sich für einen tätlichen Angriff auf seine Frau und ihren Liebhaber verantworten muss. Obwohl der junge Mann seine Unschuld beteuert, muss er, um eine Gefängnisstrafe zu vermeiden und das Sorgerecht für seinen Sohn nicht zu verlieren, eine Therapie beginnen, die er nur zähneknirschend über sich ergehen lässt. Parallel versucht der schwer gebeutelte Künstler, in der Abgeschiedenheit seines Hauses am Tegernsee wieder Kraft zu tanken, und macht Bekanntschaft mit der neuen Nachbarin Paula (Jessica Schwarz) und ihre Tochter Mizi (Greta Bohacek). Freddys Leben gerät dennoch weiter aus den Fugen. Denn ganz unvermittelt steht mit dem herablassenden Eddy (ebenfalls Felix Schäfer), einem imaginären Freund aus Kindertagen, ein bedrohlicher Doppelgänger vor der Tür.

Tüllmann greift in ihrem bösen Identitätsverwirrspiel, das für gerade einmal 75 000 Euro entstand, klassische Thriller-Motive auf und schafft es, die Verunsicherung ihres Protagonisten auf den Zuschauer zu übertragen. Das eigentlich idyllische Setting, das mehrfach in Panoramabildern eingefangen wird, vermittelt einen seltsam beklemmenden, unangenehm frostigen Eindruck. Markante Toneffekte kehren das aufgewühlte Seelenleben der Hauptfigur nach außen. Und aggressive, grünstichige Einschübe werfen immer wieder die Frage auf, ob Freddy nicht vielleicht doch die ihm zu Last gelegten Taten verübt hat.

Trotz unübersehbar begrenzter Mittel erzeugt der erstaunlich prominente besetzte Film einen ordentlichen Sog, was besonders dem eindringlich aufspielenden Felix Schäfer zu verdanken ist, der scheinbar mühelos zwischen Freddys heftiger Verunsicherung und Eddys unheimlicher Boshaftigkeit changiert. Seine mitreißende Performance ist auch der Grund dafür, dass sich der Zuschauer im letzten Drittel nicht von der Geschichte verabschiedet, die nun vermehrt Drehbuchungenauigkeiten und Klischees zu Tage fördert. Dramaturgisch passt bei weitem nicht alles zusammen. Spannend sind die düster-blutigen Eskalationen aber allemal, womit der kleine, nervenaufreibende Thriller durchaus seinen Zweck erfüllt. Eine Chance sollte man "Freddy/Eddy" schon deshalb geben, weil derartige Genreübungen hierzulande leider noch immer viel zu selten den Weg ins Kino finden, während ähnlich gelagerte US-Produktionen von nicht selten fragwürdiger Qualität die Leinwände überfluten.

Fazit: Souverän inszenierter Psychothriller, der trotz Drehbuchmacken beweist, dass auch mit geringen Mitteln weitestgehend spannende Unterhaltung möglich ist.





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