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Kritik: Sweethearts (2019)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Mit "SMS für dich" gab Karoline Herfurth vor knapp drei Jahren ihre Premiere als Langfilm-Regisseurin. Zuvor hatte sie bereits einen Kurzfilm realisiert. Die aus Ost-Berlin stammende Herfurth feierte Anfang der 00er-Jahre in leichten Teenie-Komödien wie "Crazy" und "Mädchen, Mädchen" erste Erfolge. Ihr zur Seite steht Hannah Herzsprung, die vor allem mit TV-Serien wie "Aus heiterem Himmel", "SOKO Leipzig" oder "18 – Allein unter Mädchen" bekannt wurde. Ihren Durchbruch als Filmschauspielerin schaffte sie 2008 im "Baader-Meinhof-Komplex".

Bereits mit ihrer Liebeskomödie "SMS für dich" bewies Herfurth ihr Talent fürs Inszenieren, ein gutes Timing und die richtige Mischung aus Melancholie und Heiterkeit. Auch in "Sweethearts" zeigt die 34-Jährige, was als Regisseurin in ihr steckt. Dass sie nicht nur leichte Komödien sondern auch Action und Krimi kann, beweist sie in den durchaus ansehnlich realisierten, ebenso turbulenten wie spannungsgeladenen Schießereien und Verfolgungsjagden. Und in einigen Szenen fliegen sogar mächtig die Fäuste.

Zudem verfügt Herfurth über ein verlässliches Gespür für eine gelungene Besetzung. Sie entschied sich für (Haupt- und Neben-)Darsteller, die nicht nur wunderbar zu ihren jeweiligen, leicht verschrobenen Figuren passen – sondern diese Rollen auch noch mit Herzblut und Leidenschaft ausfüllen. Von Herzsprung als markige, sich aufopferungsvoll für ihre Tochter einsetzende Mutter über Frederick Lau als desillusionierter Cop bis hin zu Anneke Kim Sarnau als knallhart-rigorose und ihren Kollegen schikanierende SEK-Leiterin.

Nicht ganz so viel Sorgfalt legte Herfurth jedoch bei der Zeichnung des von ihr verkörperten Charakters an den Tag. Ihre Franny ist heillos überzeichnet und raubt einem mit ihren ständigen Panikattacken, der Hypersensibilität und dem enervierendem Gekreische wahrlich den letzten Nerv. Das wäre nicht weiter tragisch, würde dies nur ein- oder zweimal vorkommen. Leider zieht sich dieses Verhalten jedoch als Running-Gag durch den kompletten Film – und tritt in einem Stripclub ebenso zu Tage wie im Auto, Kofferraum oder einer stillgelegten Industrieanlage. Hinzu kommen ein leider immer wieder ins Klamaukige und Alberne abdriftender Humor sowie ein schlichtweg unglaubwürdiger, von zu vielen Zufällen gespickter Plot.

Fazit: Rasante Action-Szenen, eine konsequente Regie und spielfreudige Darsteller stehen einer wenig glaubhaften Geschichte und einer überzeichneten Hauptfigur gegenüber.




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