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Letztendlich sind wir dem Universum egal
Letztendlich sind wir dem Universum egal
© Ascot

Kritik: Letztendlich sind wir dem Universum egal (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Auf der Liste der dämlichsten Filmtitel 2018 dürfte Michael Sucsys Teenie-Romanze am Jahresende weit vorne landen. Das ist ausnahmsweise nicht dem deutschen Verleiher, sondern dem S. Fischer Verlag zuzuschreiben, der David Levithans Roman "Every Day" hierzulande als "Letztendlich sind wir dem Universum egal" zwischen zwei Buchdeckel gepackt hat. Dieser Name ist nicht nur umständlich, sondern auch irreführend. Schließlich geht es in Vorlage wie Verfilmung gerade darum, dass es einem nicht egal sein sollte, mit wem man eine Beziehung führt.

"Every Day" ist bereits die dritte Geschichte aus Levithans Feder, die das Kino für sich entdeckt. Die anderen beiden, "Nick and Norah's Infinite Playlist" (2008) und "Naomi and Ely's No Kiss List" (2015), schrieb der auf Jugendliteratur spezialisierte Autor gemeinsam mit Kollegin Rachel Cohn. Die für ihn typischen starken männlichen homosexuellen Charaktere kommen in "Every Day" zwar nur indirekt vor. Durch die fantastische Ausgangslage hebt sich dessen filmische Umsetzung in seiner Bezeihungskonstellation aber entscheidend von den gängigen Teenager-Liebesschnulzen ab.

Hier geht es endlich einmal nicht darum, die oder der Schönste, Sportlichste, Klügste und Tollste zu sein oder aus einem hässlichen Entlein einen Schwan zu machen. Während A sich gezwungenermaßen jeden Tag in eine andere Person versetzt, lernt Rhiannon (Angourie Rice) durch ihre Liebe zu A hinter die Fassade auf das Innere eines Menschen zu blicken. "Der wahre Weise ist farbenblind", heißt es an einer Stelle, und das könnte das Motto dieses Films sein, der sich nicht nur Toleranz und die Suche nach der eigenen Identität, sondern auch den Kampf gegen oberflächliche Ideale auf die Fahnen geschrieben hat. Rhiannon liebt A und somit jeden Tag einen anderen Menschen – egal ob männlich oder weiblich, egal ob dünn oder dick, klein oder groß, schwarz oder weiß. Für Außenstehende sieht die monogame Liebe der beiden wie ein polygames Abenteuer aus.

Im Grunde jede Menge Tiefgang und Kontroverse für einen Teenie-Film. Leider setzt Michael Sucsy ("Für immer Liebe") das reichlich oberflächlich um. Die Lichtstimmung ist ebenso gefällig wie das Schauspiel der stets etwas zu zuckersüßen Angourie Rice. Kamera und Schnitt fließen wie die Handlung ohne große Irritationen geschmeidig dahin. Trotz des spannenden Themas ist das letztlich alles etwas zu glatt. Und so mutig sich der Film, was die Liebe in alle Richtungen anbelangt, phasenweise gibt, mündet er schließlich doch in die heteronormative Beziehung eines Paars, das dem gängigen Schönheitsideal entspricht.

Fazit: Michael Sucsys Romanverfilmung ist eine außergewöhnliche Teenager-Romanze. Die fantastische Ausgangslage aus David Levithans Vorlage zwingt Figuren und Publikum, ihr Schubladendenken bezüglich Beziehungen zu hinterfragen. Letztlich inszeniert Sucsy sein Plädoyer für Toleranz allerdings reichlich oberflächlich und mit einem konventionellen Happy End, das die kontroverse Grundkonstellation konterkariert.




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