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Unsane - Ausgeliefert
Unsane - Ausgeliefert
© 20th Century Fox

Kritik: Unsane - Ausgeliefert (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Nach diversen frustrierenden Erfahrungen im Hollywood-Geschäft kündigte Steven Soderbergh ("Side Effects – Tödliche Nebenwirkungen") 2013 öffentlichkeitswirksam seinen Rückzug aus der Welt des Kinos an. Ein klarer Fall von "Was kümmert mich mein Geschwätz von gestern". Denn nur drei Jahre später begann der preisgekrönte Regisseur mit der Arbeit an der unabhängig finanzierten Gangsterkomödie "Logan Lucky", die im September 2017 in die deutschen Lichtspielhäuser kam. Die Leinwände erreicht nun auch der Psychothriller "Unsane – Ausgeliefert", der bei der diesjährigen Berlinale seine Weltpremiere feierte und nahezu komplett auf dem iPhone gedreht wurde.

Dass sich Soderbergh für die ungebräuchliche Smartphone-Kamera entschied, hängt durchaus damit zusammen, dass er den Dreh auf diese Weise geschmeidig und unkompliziert über die Bühne bringen konnte. Mit Blick auf die Handlung ergibt der eigenwillige Entschluss ebenfalls Sinn, da die klaustrophobisch wirkende iPhone-Optik das beklemmende Dilemma der Protagonistin noch stärker betont. Immerhin findet sich die einst von einem Stalker verfolgte Sawyer Valentini (Claire Foy) nach der Flucht in eine andere Stadt urplötzlich in den Fluren einer Nervenklinik wieder, die sie nicht mehr verlassen darf, da sie unwissentlich eine vorübergehende Selbsteinweisung unterschrieben hat.

Dank dieses im Horror- und Thriller-Kino gerne gewählten Bedrohungsmotivs und Claire Foys eindringlichem Spiel lässt "Unsane – Ausgeliefert" auf einen nervenaufreibenden Schocker hoffen. Die Realität sieht dann aber doch etwas anders aus. Statt ein doppelbödiges Spiel loszutreten und den Zuschauer geschickt zu verwirren, legen Soderbergh und seine Drehbuchautoren Jonathan Bernstein und James Greer ihre Karten schon relativ früh offen auf den Tisch. Im Anschluss an den recht vielversprechenden Auftakt gewinnen abgegriffene Genrekonventionen und ärgerliche Psychiatrieklischees – etwa das der daueraggressiven Bettnachbarin – zunehmend die Überhand, während der eher hanebüchen konstruierte Plot handfeste Glaubwürdigkeitsfragen provoziert. Auf der Zielgeraden steigt die Spannung ein wenig an. Der Rückgriff auf plumpe Standardsituationen verhindert allerdings einmal mehr ein bedingungsloses Mitfiebern.

Enttäuschend ist der Anstaltsreißer auch deshalb, weil sich Soderbergh für die anklingende Kritik am US-amerikanischen Gesundheitswesen nicht ernsthaft interessiert. Vielmehr bleibt sie auf oberflächliche Einwürfe beschränkt, die durch die Hommage an Samuel Fullers Psychiatriethriller "Schock-Korridor" in der Figur des Patienten Nate (Jay Pharoah) nicht wirklich aufgewertet werden können. Für ein kleines Schmankerl sorgt der Regisseur mit dem Auftauchen eines prominenten Hollywood-Gesichts in der Rolle eines Sicherheitsexperten, der Sawyer über die Gefahren unserer digitalen Lebenswelt aufklärt.

Fazit: Formal experimentelles, inhaltlich aber ausgelutschtes und ermüdendes Katz-und-Maus-Spiel ohne psychologischen Tiefgang.




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