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Kritik: Kalte Füße (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

"Kalte Füße"-Regisseur Wolfgang Groos ist eigentlich auf Kinder- und Jugendfilme spezialisiert. Der Durchbruch gelang ihm vor sieben Jahren mit dem dritten Teil der "Vorstadtkrokodile". Zuvor hatte er einige Folgen der Serie "Rennschwein Rudi Rüssel" inszeniert. Mit seinem aus namhaften deutschen Schauspielern bestehenden Cast (in Nebenrolle sind u.a. Aleksandar Jovanovic und Jasmin Gerat dabei), drehte er "Kalte Füße" Anfang des Jahres in Bayern und Österreich. Premiere erlebte die Komödie im November 2018 beim Kinofest im nordrhein-westfälischen Lünen.

Deftig, laut, grobschlächtig – so lässt sich der Humor in "Kalte Füße" am besten beschreiben. Das beginnt bereits bei der derben Wortwahl des Hauptdarstellers, der sich nicht selten diskriminierend über Raimunds Alter und Behinderung sowie dessen Schäferhund ("Nazi-Köter") äußert. Groos schreckt zudem nicht davor zurück, hier und da ebenso alberne wie geschmacklose Pointen einzubauen und so ganz bewusst die Grenzen des guten Geschmacks zu überschreiten (Stichwort: "Eiszapfen"). In diesen Momenten wird klar: "Kalte Füße" ist so ziemlich das genaue Gegenteil einer auf leisen, subtilen Witz setzenden Komödie, die sanfte humoristische Spitzen und ironische Zwischentöne beinhaltet. Wer all dies präferiert, sollte um "Kalte Füße" besser einen großen Bogen machen.

Hinzu kommen ein für Verwechslungskomödien ganz typischer, generischer Handlungsverlauf, eine unnötige und kitschige Liebesgeschichte sowie teils begriffsstutzige, einfältige Charaktere. So ist es etwa kaum nachzuvollziehen und dem Zuschauer deshalb auch nur schwer glaubhaft zu vermitteln, wieso Charlotte die wahren Absichten von Denis so lange nicht durchschaut. Dennoch: Groos inszeniert durchaus rasant und legt eine Gagdichte an den Tag, die kaum Luft zum Atmen lässt. Und die man sonst nur von Zucker-Abrahams-Zucker-Parodien á la "Die nackte Kanone" oder "Hot Shots" kennt.

Denn obwohl einige Zoten ordentlich nach hinten losgehen und mehr als nur einmal zum Fremdschämen einladen, so sind dienen einige der Gags doch als echte Paradebeispiele herrlich schräger, körperbetonter Slapstick-Einlagen. Und in bester Screwball-Tradition liefern sich Gerhardt und Sakraye zudem ein amüsantes Duell der Geschlechter, inklusive bissiger Wortgefechte. Hinzu kommt, dass die Chemie zwischen den beiden Darstellern stimmig ist und auch die Nebendarsteller mit Spaß bei der Sache sind.

Fazit: Obwohl der Mix aus Gauner- und Verwechslungskomödie von einfach gestrickten Charakteren bevölkert wird, vorhersehbar ist und einige Zoten und Witze deutlich übers Ziel hinausschießen, ist "Kalte Füße" einen Blick wert – dank der gut aufgelegten Darsteller und des unterhaltsamen Gagfeuerwerks, das Regisseur Wolfgang Groos zündet.




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