VG-Wort
Die Domain Spielfilm.de verwendet Cookies für funktionale und analytische Zwecke. Durch die Nutzung unserer Seite erklärst Du Dich damit einverstanden. Weitere Cookie-Informationen findest Du hier.

Ok, einverstanden!

oder

Kritik: Der Vorname (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 4 / 5

Mit seiner neuen Arbeit "Der Vorname" liefert der 1959 geborene deutsche Filmemacher Sönke Wortmann ("Deutschland. Ein Sommermärchen") auf Basis eines Drehbuchs von Claudius Pläging eine Adaption des gleichnamigen französischen Stücks von Matthieu Delaporte und Alexandre de La Patellière. Dieses wurde 2010 uraufgeführt und bereits 2012 von den Bühnenautoren selbst auf die Leinwand gebracht. Es gelingt Wortmann und Pläging dabei, der Materie durch kleine Ergänzungen etwas durchaus Aktuelles zu verleihen und das Geschehen sowie die Figuren stimmig von Frankreich nach Deutschland zu transferieren.

Das Personal ist gewiss zugespitzt und klischeehaft gestaltet – sei es der dünkelhafte Akademiker Stephan im Cordanzug, die aufopferungsvolle Gattin Elisabeth, der angeberische, aber wenig kultivierte Businessman Thomas oder der sanftmütige Musiker René. Das Ensemble legt indes eine derartige Spielfreude an den Tag, dass diese stereotyp anmutenden Figuren rasch zum Leben erwachen. Christoph Maria Herbst ("Stromberg") lässt das Spießertum hinter Stephans Eloquenz erkennen, wenn der Professor im Umgang mit seiner Frau offensichtlich doch an sehr überkommenen Geschlechterrollen festhält; Caroline Peters ("Mord mit Aussicht") liefert als Elisabeth eine herrliche Zornesrede, nachdem der als harmonisches Treffen geplante Abend schon gehörig eskaliert ist – und auch Florian David Fitz ("Vincent will Meer") und Justus von Dohnányi ("Männerherzen") geben ihren Parts die nötigen Nuancen, damit wir das Treiben um den Esstisch amüsiert und zugleich interessiert verfolgen.

Die Dialoge vermögen nicht ganz die Schärfe von Yasmina Rezas Streit-Klassiker "Der Gott des Gemetzels" zu erreichen; dennoch werden im Laufe der Handlung wichtige Dinge angesprochen und gekonnt auf den Punkt gebracht. Wenn Stephan als Gründe, ein Kind keinesfalls "Adolf" nennen zu dürfen, die momentane politische Lage mit stetig wachsenden rechtsradikalen Kräften anführt, gewinnt der 2010 entstandene Stoff sogar noch an Relevanz. Neben dieser politischen Dimension ist "Der Vorname" eine clevere Geschichte über verletzte Egos und unschöne zwischenmenschliche Wahrheiten. Mit seinem Kameramann Jo Heim sorgt Wortmann überdies für eine gewisse visuelle Dynamik, die das Werk zu mehr als reinem "abgefilmten Theater" macht.

Fazit: Mit einer schwungvoll agierenden Besetzung und klugen Aktualisierungen wird die Bearbeitung des französischen Stücks zu einer sehenswerten Kinokomödie.




Spielfilm.de-Mitglied werden oder einloggen.