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Kritik: Das Böse 3 (1994)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 3 / 5

Don Coscarelli legte 1976 mit gleich zwei Coming-of-Age-Filmen los, dem Drama "Jim, the World's Greatest" und der Komödie "Kenny & Company". Seinen ersten veritablen Erfolg feierte er drei Jahre später mit "Phantasm – Das Böse" (1979). Die Mischung aus Horror und Fantasy sollte fortan die Karriere des 1954 in Libyen geborenen und in Südkalifornien aufgewachsenen US-Amerikaners bestimmen. Auf fünf Teile, die ersten vier davon unter Coscarellis Regie, bringt es das kleine Franchise mittlerweile. Was Budget, Umsetzung und Erfolg anbelangt, stand es stets im Schatten vergleichbarer Reihen. Ein zweiter Blick lohnt dennoch, weil Coscarelli ("Bubba Ho-Tep", "John Dies at the End") auch seinen Grusel mit einer ordentlichen Portion Komik und Coming-of-Age angeht.

Der Verleih Drop-Out Cinema bringt im Herbst 2018 nach den ersten beiden nun auch den dritten Teil zurück auf die große Leinwand. Neben den üblichen Verdächtigen, Retter Reggie (Reggie Bannister), Mikes älterem Bruder Jody (Bill Thornby) und dem bösen großen Mann, besser bekannt als "The Tall Man" (Angus Scrimm), ist mit A. Michael Baldwin der Originaldarsteller des Mike wieder mit von der schaurig-schönen Partie. In Teil zwei hatten ihn die Produzenten durch den vermeintlich bedeutsameren Star James Le Gros ersetzt. Und weil der Schauspieler 15 Jahre nach dem Auftakt trotz immer noch jugendlicher Anmutung bereits jenseits der 30 war, fabuliert Coscarellis Drehbuch geschwind den Waisenjungen Tim (Kevin Connors) herbei.

Dessen Figur ist unschwer als Rückgriff auf den ersten Teil zu erkennen. Doch weil der Regisseur und Autor seine Reihe 1994 längst selbstironisch verpackte, wird Tim weder von Ängsten noch Selbstzweifeln geplagt. Ganz im Gegenteil! Dieser kleine tough guy steckt die alten Recken mit seinen coolen Sprüchen und Aktionen locker in die Tasche. In der gleichsam knallharten und knochentrockenen Rocky (Gloria Lynne Henry) findet Tim seine Entsprechung. Wie diese sich Reggies ungelenken Annäherungsversuchen entzieht, ist köstlich. Angesichts der #MeToo-Debatte könnte sich so mancher gegenwärtige Horrorschinken von dieser Frauenfigur eine dicke Portion abschneiden.

Coscarelli schert sich auch im dritten Teil keinen Deut um Logik und Stringenz. Wer von Filmen eine schlüssig erzählte Geschichte verlangt, sollte einen weiten Bogen um den Kinosaal machen. Wer hingegen auf schräge Typen, abstruse Kreaturen, makabren Humor und handgemachten Splatter steht, dürfte seine wahre Freude haben. Überhaupt die Effekte! Angesichts des geringen Budgets von knapp 2,5 Millionen US-Dollar holen Coscarelli & Co. ganz Erstaunliches heraus. Besonders Chris Chomyns Kameraarbeit, egal ob ein Tomahawk durch die Luft wirbelt oder die chromglänzenden Metallkugeln, gepaart mit Norman Buckleys dynamischer Montage sind beachtlich.

Fazit: Don Coscarellis dritter Teil seiner Fantasy-Horror-Reihe ist sich seines Trash-Appeals jederzeit bewusst. Da der Regisseur sich und seinen Film nicht allzu ernst und schon mal selbstironisch auf die Schippe nimmt, ist das ein makabrer Spaß.




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