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Niemandsland - The Aftermath
Niemandsland - The Aftermath
© 20th Century Fox

Kritik: Niemandsland - The Aftermath (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 2 / 5

Mit "Niemandsland – The Aftermath" setzt der Regisseur James Kent ("Testament of Youth") ein period piece in Szene, basierend auf dem gleichnamigen, 2013 veröffentlichten Roman von Rhidian Brook. Neben Joe Shrapnel und Anna Waterhouse war der Schriftsteller selbst an der Adaption seines Werks beteiligt – und doch wirkt das filmische Endergebnis wie eine enttäuschende Banalisierung des spannungsreichen Stoffes. Die Geschichte macht deutlich, dass es während der britischen Besatzung nach dem Zweiten Weltkrieg nicht nur "die guten Briten" auf der einen Seite und "die bösen Deutschen" auf der anderen Seite gab. Brook ließ sich dabei von den Erlebnissen seines Großvaters inspirieren, der Mitte der 1940er Jahre ein Haus in Hamburg beschlagnahmte und die Deutschen, denen das Haus bis dahin gehörte, weiterhin mit dort wohnen ließ, sodass die vermeintlichen Feinde unter einem Dach zusammenlebten.

Interessant ist – auch in der Leinwand-Version – vor allem die Figur des britischen Colonels Lewis Morgan, der mit der Entnazifizierung der Leute in Hamburg und mit dem Wiederaufbau der in Trümmern liegenden Stadt beauftragt wurde. Der Mann zeigt Verständnis und Mitgefühl für die hungernde und oft obdachlose deutsche Zivilbevölkerung – in manchen Fällen womöglich gar zu viel. In einigen Sequenzen des Films werden Lewis' ambivalente Gefühle und die Situation in der zerbombten Stadt treffend eingefangen; auch der Kontrast zwischen den dreckigen Straßen im Winter und der Luxus-Villa, in die Lewis und seine Frau Rachael einziehen und die zuvor dem deutschen Architekten Stefan gehörte, wird in den Bildern des Kameramanns Franz Lustig überzeugend vermittelt.

Die sich anbahnende Affäre zwischen Rachael und Stefan wird allerdings wenig nachvollziehbar erzählt und allzu melodramatisch umgesetzt – mit stürmischen Küssen, Ohrfeigen und spontanem Fremdgehen auf dem Esstisch, während das Kaminfeuer lodert. Der Score von Martin Phipps ist zu vordergründig; die erotischen Szenen zwischen Rachael und Stefan muten zu künstlich an. Mit Keira Knightley, Alexander Skarsgård und Jason Clarke ist "Niemandsland – The Aftermath" in den Hauptrollen zwar gut besetzt; aber nur Clarke kann mit seinem Spiel Eindruck hinterlassen. Der Nebenstrang um das ehemalige Hitlerjugend-Mitglied Albert und dessen Beziehung zu Stefans Tochter Freda vermag ebenso nicht recht zu funktionieren, da den beiden Figuren kaum Tiefe gegeben wird.

Fazit: Aus der komplexen literarischen Vorlage wird ein nur teilweise spannendes Melodram, dessen zentraler Dreieckskonflikt trotz Star-Besetzung nicht überzeugen kann.




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