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Unheimlich perfekte Freunde
Unheimlich perfekte Freunde
© 20th Century Fox © SquareOne

Kritik: Unheimlich perfekte Freunde (2018)

Kritiker-Bewertung: unterirdischschlechtmittelmässiggutweltklasse 5 / 5

Dieses fantastische Kinderabenteuer beweist einmal mehr, dass ein gutes Drehbuch die wichtigste Voraussetzung für einen gelungenen Spielfilm ist. Simone Höft und Nora Lämmermann haben sich die geniale Geschichte über Viertklässler ausgedacht, die sich von Ebenbildern mit tollen Fähigkeiten vertreten lassen. Plötzlich hat der schlechte Schüler nur noch Einsernoten, der Nerd wird endlich von den Mädchen für cool und lässig befunden. Die Konfrontation mit dem eigenen Wunschbild aber hat ungeahnte Folgen für die Selbsteinschätzung der Kinder.

Regisseur Marcus H. Rosenmüller inszeniert diese aufregende Geschichte herrlich schelmisch mit Lust an skurrilem Schabernack. Die obskure Magie auf dem Jahrmarkt weckt Erinnerungen an seinen Erstling "Wer früher stirbt ist länger tot", in dem es ebenfalls um die nicht immer anheimelnde Macht der Fantasie ging. Nach Filmen wie "Winnetous Sohn" oder "Auf Augenhöhe" ist erneut ein Werk entstanden, das der Förderinitiative "Der besondere Kinderfilm" zur Ehre gereicht. Sie sorgt dafür, dass originäre Stoffe neben den vielen Romanadaptionen im Genre Kinderfilm auch eine Chance bekommen.

Es ist einfach köstlich, wie Frido mit dem perfekten Doppelgänger die eigene Mutter narrt. Der Zweit-Frido isst gerne Fisch, drückt sich höflich und gewählt aus, hält sich gerade. Wenn Schule ist, lugt der echte Frido durchs Fenster und sieht, wie der Zweit-Frido wieder die Hand hebt, weil er die korrekte Antwort weiß. Dann kann Frido beruhigt in das aufgelassene Erlebnisbad gehen, um zu spielen. Witzig ist auch, wie Emils Doppelgänger als perfekter Rüpel dessen Mutter (Maja Beckmann) in ihre Schranken weist. Wegen ihren Kommandos und Ermahnungen hatte man Mitleid mit dem echten Sohn. Die jungen Darsteller Luis Vorbach und Jona Gaensslen beweisen in den Doppelrollen großes Talent, aber auch Marie Leuenberger ist mit ihrer Spielfreude als Fridos Mutter ein Gewinn für den Film, ebenso wie Margarita Broich als Klassenlehrerin.

Sehr aufregend gerät dann die Wendung, in deren Verlauf die perfekten Spiegelbilder ihre Kehrseite offenbaren. Als Figuren dienen sie vor allem dazu, den absurden Kern der Jagd nach guten Noten freizuschälen, den Leistungsdruck kenntlich zu machen, der Kindern vor dem Übertritt aufs Gymnasium zugemutet wird und dort weitergeht. Dieser Film speist seine Zielgruppe nicht bloß mit Popcornkino ab, er spricht an, was sie beschäftigt.

Fazit: Regisseur Marcus H. Rosenmüller legt einen wunderbaren Kinderfilm vor, in dem sich Abenteuerlust und Fantasiewelt schelmisch verbinden. Auf die Idee, dass Kinder ihren perfekten Spiegelbildern begegnen, die für sie in die Schule gehen, muss man erst einmal kommen! Das Drehbuch von Simone Höft und Nora Lämmermann überrascht mit hintersinnigem Witz und der Kritik am Leistungsdruck, dem Kinder ausgesetzt sind. Luis Vorbach und Jona Gaensslen meistern ihre Doppelrollen mit Bravour und auch die anderen Darsteller strahlen Spielfreude aus.





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